Mit einem Plus von mehr als 60 Prozent steht der Goldpreis vor dem stärksten Jahresgewinn seit 1979. Damals hatten geopolitische Krisen wie die Islamische Revolution im Iran und der sowjetische Einmarsch in Afghanistan sowie zweistellige Inflationsraten in den USA den Goldpreis binnen eines Jahres mehr als verdoppelt. Anfang 1980 erreichte Gold ein Rekordhoch, das erst 2008 übertroffen wurde. In diesem Jahr markierte das Edelmetall eine ganze Serie neuer Höchststände, zuletzt im Oktober bei 4.380 Dollar je Feinunze, wie Commerzbank-Rohstoffanalyst Carsten Fritsch festhält.
„Gold erhielt erheblichen Rückenwind durch eine starke Nachfrage nach sicheren Häfen angesichts zahlreicher Unsicherheitsfaktoren, etwa der Zollpolitik des US-Präsidenten und seiner beispiellosen Angriffe auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank. Diese reichten von wiederholten Beleidigungen des amtierenden Fed-Chefs bis hin zu Versuchen, ein Mitglied des Notenbankrats zu entlassen. Es überrascht daher nicht, dass das Ansehen des US-Dollars als sicherer Hafen gelitten hat, was zu einer stärkeren Nachfrage nach Gold führte. Das zeigt sich an den kräftigen Zuflüssen in Gold-ETFs.“
„Es gibt eine Reihe von Gründen, die im kommenden Jahr für einen höheren Goldpreis sprechen. Der wichtigste ist die von uns erwartete deutliche Lockerung der Geldpolitik durch die Fed. US-Präsident Trump dürfte es im Laufe des nächsten Jahres schaffen, den Fed-Rat mehrheitlich mit Personen zu besetzen, die seine Vorstellung einer deutlich expansiveren Geldpolitik teilen. Im Mittelpunkt steht dabei die Ernennung eines neuen Fed-Vorsitzenden, da die Amtszeit des derzeitigen Chefs Jerome Powell im Mai 2026 endet und er den Notenbankrat dann voraussichtlich ebenfalls verlassen wird. Als Favorit für die Nachfolge Powells gilt Trumps Wirtschaftsberater Kevin Hassett.“
„Ein weiterer Grund sind die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken. Diese dürften deutlich höher ausfallen als vor 2022, da viele Notenbanken ihre Währungsreserven weiter diversifizieren wollen. Hinzu kommt die Tatsache, dass russische Devisenreserven in westlichen Währungen seit Beginn des Ukraine-Kriegs eingefroren sind und die EU weiterhin erwägt, diese der Ukraine zur Verfügung zu stellen. Allerdings hinterlässt das hohe Preisniveau Spuren bei der physischen Nachfrage, insbesondere bei Goldschmuck. Dies dürfte jedoch durch eine weiterhin robuste Investmentnachfrage ausgeglichen werden. Wir erwarten daher, dass der Goldpreis im Laufe des kommenden Jahres auf 4.400 Dollar je Feinunze steigt.“