Gut 48 Stunden nach der US-Militäroperation in Venezuela sind die Spuren an den Devisenmärkten überschaubar. Die frühe Flucht in den sicheren Dollar am Montag erwies sich als nur von kurzer Dauer. Erste Anzeichen für einen Dialog zwischen den USA und der Nachfolgerin von Nicolás Maduro, Delcy Rodríguez, senken nach Einschätzung von ING-Devisenexperte Francesco Pesole die wahrgenommene Wahrscheinlichkeit eines weiteren unmittelbar bevorstehenden US-Militäreinsatzes.
„Unsere erste Einschätzung der Auswirkungen Venezuelas auf den Dollar ist kurzfristig neutral bis leicht positiv – höhere geopolitische Risiken, aber keine wesentlichen Folgen für die USA und den Ölmarkt. Mittelfristig überwiegen jedoch Abwärtsrisiken, sofern die Märkte genügend Zuversicht entwickeln, um ein steigendes Ölangebot einzupreisen und die Rohölpreise unter Druck geraten.“
„Die aus unserer Sicht gute Entwicklung der Aktienmärkte am Vortag trotz der geopolitischen Risiken war der wichtigste Treiber für den Abbau der zuvor erzielten Dollar-Gewinne; auch Konjunkturdaten spielten eine Rolle. Der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (ISM) fiel im Dezember unter die Marke von 48 und verzeichnete damit den vierten Rückgang in Folge sowie den niedrigsten Stand seit Oktober 2024. Der Auftragsbestand schrumpfte ebenfalls weiter auf 45,8, was auf das Risiko eines Lageraufbaus und mögliche Belastungen für den Arbeitsmarkt in den kommenden Monaten hindeutet.“
„Trotz des raschen Abbaus der Nachfrage nach dem Dollar als sicherem Hafen bleiben wir kurzfristig moderat auf einen stärkeren Dollar eingestellt. Saisonale Effekte sprechen im Januar dafür, und die gelassene Haltung der Märkte gegenüber geopolitischen Risiken macht risikoreiche Anlagen und Währungen mit hoher Sensitivität anfällig für erneute Eskalationen – sowohl in Lateinamerika als auch möglicherweise in Grönland.“