Der Devisenstratege Francesco Pesole von ING sieht den Euro im Währungshandel insgesamt stabil, wenngleich er gegenüber dem US-Dollar zuletzt nachgegeben hat. Schwächere Aktienmärkte sowie eine unterdurchschnittliche Entwicklung rohstoffnaher Währungen hätten die Kapitalströme beeinflusst. Ein mögliches Abkommen rund um die Straße von Hormus könnte den Euro-Dollar-Kurs über die Marke von 1,1800 treiben, während ein Scheitern der Gespräche oder neue Spannungen das Währungspaar wieder unter 1,1700 drücken könnten.
"Der Euro hat sich gestern im Kreuzvergleich relativ gut gehalten, obwohl er gegenüber dem US-Dollar etwas nachgegeben hat. Das dürfte daran liegen, dass sich die Auswirkungen stärker in schwächeren Aktienmärkten als in deutlich höheren Ölpreisen gezeigt haben, was wiederum zu einer schwächeren Entwicklung weniger liquider, rohstoffabhängiger Währungen geführt hat. Nur die norwegische Krone konnte den Dollar knapp übertreffen, was allerdings ausschließlich auf eine Zinserhöhung der Norges Bank zurückzuführen war."
"Wir gehen weiterhin davon aus, dass ein Friedensabkommen rund um die Straße von Hormus den EUR/USD-Kurs über 1,1800 steigen lassen könnte. Die Risiken sind derzeit jedoch sehr binär. Selbst ohne eine militärische Eskalation dürfte ein erneutes Scheitern der Verhandlungen den Kurs wieder unter 1,1700 drücken."
"Der Euro schien durch Trumps Ultimatum vom 4. Juli an die EU, ein Handelsabkommen zu ratifizieren, verbunden mit der Drohung höherer Zölle, kaum belastet zu werden. Das ist nachvollziehbar, da die geopolitische Unsicherheit es erschwert, ein Risiko mit einem Zeithorizont von zwei Monaten einzupreisen. Für uns ist dies jedoch ein Hinweis darauf, dass im Falle einer Lösung des Konflikts Handelsthemen rasch wieder in den Fokus rücken könnten, wobei das USMCA-Abkommen und die EU ganz oben auf der Agenda stehen dürften."