Aktiencrash: Carry-Trades und Rezession sind unser kleinstes Problem – Rabobank

Autor: Investing.com
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Mitrade Team
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Quelle: DepositPhotos

Investing.com – In seiner jüngsten Analyse kritisiert Michael Every von der Rabobank die übertriebene Panik der Märkte auf die kleine Zinserhöhung der Bank of Japan (BoJ). Die Marktteilnehmer konzentrieren sich einzig und allein auf geldpolitischen Maßnahmen und dabei übersehen sie, was wirklich wichtig ist.


Jeder hat die tumultartige Panik an den Märkten mitbekommen, als die BoJ überraschend ihren Zinssatz um 15 Basispunkte anhob. Trotz dieser minimalen Erhöhung waren die Reaktionen hektisch, denn sie trieben Tradern auf der ganzen Welt Schweißperlen auf die Stirn. Vorbei war es mit den rentablen Trades auf Assets wie US-Techaktien, die mit billigen japanischen Yen finanziert wurden.


Es gab bereits Analysten, die in diesem Zusammenhang von weiteren Zinssenkungen der Fed und sogar eine Rückkehr zur Nullzinspolitik sowie quantitativen Lockerungen (QE) sprachen, so Every.


Verschärft wurde dieser Ausbruch von Angst durch enttäuschende US-Arbeitsmarktdaten – lediglich 114.000 neue Jobs im Juli gegenüber den erwarteten 175.000, und ein Anstieg der Arbeitslosenquote auf 4,3 %, was Rezessionsängste schürte.


Every stellt fest, dass die Zinserhöhung der BoJ zwar zu einem starken Rückgang japanischer Aktien führte, aber auf die nachfrageseitige Inflation hatte sie keinerlei Einfluss. Selbst die aggressive Rhetorik von BoJ-Gouverneur Ueda und die kurzfristigen Marktanpassungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die erheblichen Zinsdifferenzen zwischen den USA und Japan weiter bestehen.


Doch genau diese sind es, welche den Markt so anfällig machen, wie es die jüngsten Verwerfungen zeigten. Every meint, dass es nur einen einzigen Ausweg gibt, um die Märkte zu stabilisieren – die Fed muss zu ihrer Geldpolitik aus der Vor-Covid-Ära zurück.


Every betont, dass die Fed auf die Marktängste möglicherweise mit Zinssenkungen reagieren könnte, doch die wahre Gefahr – die von den Märkten weitgehend ignoriert wird – liegt in den geopolitischen Spannungen im Nahen Osten.


Hier braut sich ein Sturm zusammen, der die Finanzmärkte in ein viel größeres Chaos stürzen wird, wenn er losbricht. Und die aktuellen Entwicklungen sprechen dafür, dass genau das passieren wird.


Berichten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es zu großangelegten militärischen Konfrontationen zwischen Israel und dem Iran kommt. Every zitiert Churchill mit den Worten:


„Dies ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist vielleicht das Ende des Anfangs.“


Sollten der Iran und seine Verbündeten bedeutende militärische Aktionen gegen Israel starten, unterstützt durch die Anweisung aus Teheran an die Hisbollah, gezielt Zivilisten anzugreifen, wären die Marktverwerfungen verheerend.


Ganz schnell würde die Öl-Infrastruktur zu einem strategischen Ziel werden, weshalb Every vor einem bevorstehenden Öl-Schock warnt, der die ohnehin schon volatile geopolitische Landschaft weiter verkompliziert. Den Westen bringt dies in eine prekäre Lage hinsichtlich militärischer Intervention und wirtschaftlicher Stabilität. Versiegen die Ölquellen, dann schießt weltweit nicht nur die Inflation in die Höhe, sondern die Wirtschaft würde genauso kollabieren wie die Aktienmärkte.


Darüber hinaus dürften dann die populistischen Strömungen in westlichen Gesellschaften Fahrt aufnehmen, verschärft durch die wirtschaftlichen Abschwünge und zunehmende Ungleichheit. Lediglich die Rückkehr der Fed zur Nullzinspolitik könnte die Finanzmärkte dann noch vorübergehend beruhigen.


"Selbst wenn dies der Fall sein sollte, ist dies erst das Ende vom Anfang.


Kann die westliche Gesellschaft angesichts des zunehmenden Populismus eine tiefe Rezession verkraften? Wir hätten riesige Haushaltsdefizite und eine Staatsverschuldung auf dem Niveau der Nachkriegszeit. Weitere Sparmaßnahmen würden zu Chaos führen, so dass wir stattdessen sicherlich massive Staatsausgaben sehen würden, die von der Zentralbank finanziert werden. Das würde die Anleihen-Bullen glücklich machen, aber es würde auch der Öffentlichkeit - und den Teilen der Welt, die *die Dinge herstellen, die wir kaufen* - klar machen, dass unser System gescheitert ist. "


Was der Westen dann erleben würde, wäre eine Variante der 1930er-Jahre. Eine Realität, die so weit von den optimistischen Aktienkursen und den Rufen nach Zinssenkungen und QE entfernt ist, dass sie geradezu als frei erfunden wahrgenommen wird.


Der Iran hat bereits die Bitten all jener, die um Zurückhaltung aufriefen, zurückgewiesen. Man wird hart zurückschlagen, unabhängig davon, ob dies zum Krieg führt. Israel hat sich gewappnet und ist seinerseits bereit, Vergeltung zu üben.


Und jeder, der an diesem Punkt glaubt, dass es nicht zum Äußersten kommt, weil keiner ein Interesse daran hat, die Welt ins Chaos zu stürzen, dem sei gesagt, dass der Iran die Rückendeckung von Russland und China genießt. Zwei Parteien, denen es gelegen käme, wenn sich die USA und Europa im Zuge der Verteidigung Israels von der Ukraine und Taiwan abwenden, so Every.


Zudem denken diese Länder in völlig anderen Dimensionen. Hier geht es darum, was heute zu machen ist, um in Jahrzehnten einen Vorteil davon zu haben. In den westlichen Demokratien wird heute das getan, was zur nächsten Wahl die meisten Stimmen bringt.


Daher wundert es auch nicht, warum der Fokus der Aktienmärkte nur auf den Wirtschaftsdaten und geldpolitischen Maßnahmen liegt, was aus der Sicht von Every völlig fehl am Platz ist. Im Nahen Osten wird entschieden werden, wie die Zukunft unserer Finanzmärkte aussieht. Denn wenn dieses Pulverfass explodiert, ist eine durch hohe Zinsen ausgelöste Rezession oder die Auflösung von Carry-Trades unser kleinstes Problem.


Michael Every verweist darauf, dass es noch nie eine Lösung war, den Kopf in den Sand zu stecken, und er schließt seine Analyse mit einem sehr treffenden Trotzki Zitat:


„Du magst dich nicht für den Krieg interessieren, aber der Krieg interessiert sich für dich. “

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