UOB-Volkswirtin Lee Sue Ann verweist darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den weithin erwarteten Zinsschritt um 25 Basispunkte vollzogen, zugleich aber einen deutlich restriktiveren Ton angeschlagen hat. Grund seien weiterhin erhöhte Inflationsrisiken infolge des vom Nahen Osten ausgehenden Energieschocks. UOB rechnet nun mit einer weiteren Zinserhöhung um 25 Basispunkte, am wahrscheinlichsten im Dezember. Der Oktober wird zugleich als offene Sitzung beschrieben.
"Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine weithin erwartete Zinserhöhung um 25 Basispunkte geliefert, doch die Botschaft fiel falkenhafter aus als der Schritt selbst. Die Währungshüter betonten, dass der vom Nahen Osten ausgelöste Energieschock weiter Inflationsdruck erzeugt. Trotz größerer Unsicherheit über das Wachstum sind die Risiken für die Inflation nach oben gerichtet."
"Wir sehen die EZB nach September nicht mehr klar in einer Wartestellung. Zwar bleibt Dezember unser Basisszenario für eine letzte Zinserhöhung um 25 Basispunkte, doch der Oktober ist angesichts anhaltender energiegetriebener Inflationsrisiken und wachsender Sorgen über Zweitrundeneffekte über Löhne und zugrunde liegende Preise eindeutig zu einer offenen Sitzung geworden."
"Die EZB erhöhte ihre drei wichtigsten Leitzinsen auf ihrer Sitzung vom 10. September um weitere 25 Basispunkte. Entsprechend wurden die Zinsen für die Einlagefazilität, die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,50 Prozent, 2,65 Prozent beziehungsweise 2,90 Prozent angehoben. Die Entscheidung war weithin erwartet worden und spiegelte die Einschätzung des EZB-Rats wider, dass der Nahostkonflikt weiterhin Inflationsdruck erzeugt und die Inflation voraussichtlich für längere Zeit über dem Ziel bleiben wird."
"Damit ist der Oktober zwar zu einer offenen Sitzung geworden, unser Basisszenario sieht jedoch vor, dass die EZB im kommenden Monat pausiert und im Dezember eine letzte Zinserhöhung um 25 Basispunkte vornimmt. Der Einlagensatz würde damit auf 2,75 Prozent steigen. Das wichtigste Risiko für diese Einschätzung wäre eine weitere Eskalation der Energiepreise oder klarere Anzeichen dafür, dass sich Zweitrundeneffekte verfestigen. Das könnte die EZB zu einem früheren Schritt zwingen."