Die Strategen Jan von Gerich, Tuuli Koivu und Anders Svendsen von Nordea gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagenzins zwar bei 2,25 Prozent belassen hat, zugleich aber weitere Zinserhöhungen signalisiert. Sie rechnen weiterhin mit drei zusätzlichen Schritten um jeweils 25 Basispunkte, nun allerdings in einem vierteljährlichen Rhythmus. Damit würde der Einlagenzins bis März 2027 auf 3,0 Prozent steigen. Als entscheidende Faktoren nennen sie die hohe Unsicherheit, Inflationsrisiken durch den Energiesektor sowie die robuste Konjunktur im Euroraum.
„Die EZB hat den Einlagenzins heute wie erwartet bei 2,25 Prozent belassen. Sowohl der Ton der Pressemitteilung als auch der Pressekonferenz lässt jedoch die Tür für eine weitere Zinserhöhung um 25 Basispunkte auf der nächsten Sitzung im September weit offen. Das entspricht auch unserer Erwartung.“
„Auch wenn das vorläufige Friedensabkommen, die deutlichen Rückgänge der Ölpreise sowie die eher schwachen Inflationsdaten für Juni den unmittelbaren Druck auf die EZB verringert haben, die Zinsen schneller anzuheben, gehen wir weiterhin davon aus, dass wir uns in einem Straffungszyklus befinden und nicht nur ein oder zwei einzelne Zinsschritte bevorstehen. Deshalb erwarten wir nach wie vor drei weitere Zinserhöhungen.“
„Wir gehen vielmehr davon aus, dass sich der Preisauftrieb auf eine breitere Basis stellt und die widerstandsfähige Wirtschaft die EZB länger auf einem Straffungskurs halten wird. Allerdings erscheint inzwischen ein vierteljährlicher Rhythmus bei den Zinsschritten wahrscheinlicher als der schnellere Pfad, den wir zuvor erwartet hatten.“
„Unser Basisszenario für die EZB sieht daher nun Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte im September, Dezember und März 2027 vor. Damit würde der Einlagenzins auf 3,0 Prozent steigen und läge damit auf dem Niveau unserer bisherigen Prognose.“
„Ein schneller Frieden im Nahen Osten könnte den Druck auf die EZB zu weiteren Zinserhöhungen zwar verringern. Eine stärkere Eskalation und ein länger andauernder Krieg könnten dagegen zu schnelleren und sogar zusätzlichen Zinsschritten führen.“