Volkmar Baur von der Commerzbank hält die Sorgen der Finanzmärkte über die japanische Haushaltspolitik für übertrieben. Dies gelte auch nach dem neuen Nachtragshaushalt im Umfang von 3,1 Billionen Yen, der überwiegend über neue Schulden finanziert werden soll. Zwar stehe der Yen kurzfristig unter Druck, langfristig sei Japan im Vergleich zu den meisten anderen G10-Staaten jedoch besser aufgestellt.
„Die Haushaltspolitik Japans belastet den Yen weiterhin. Weniger als zwei Monate nachdem die Regierung unter Sanae Takaichi ihren Haushalt für das Fiskaljahr 2026 (Beginn am 1. April) durch das Parlament gebracht hatte, wurde vergangene Woche ein Nachtragshaushalt vorgelegt, um private Haushalte angesichts steigender Energiepreise zu entlasten. Das Volumen des Nachtragshaushalts dürfte bei rund 3,1 Billionen Yen liegen, was etwa 0,5 Prozent des japanischen Bruttoinlandsprodukts entspricht.“
„Als die ersten Diskussionen und Verhandlungen zu diesem Thema begannen, reagierten die Märkte wiederholt mit Unmut und quittierten die Pläne mit einer Abschwächung des Yen. Aus unserer Sicht sind diese Reaktionen jedoch überzogen. Zwar weist Japan laut Internationalem Währungsfonds (IWF) mit 206,5 Prozent eine sehr hohe Bruttoverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf. Die Nettoverschuldung – also nach Abzug der liquiden Vermögenswerte des Staates – liegt jedoch lediglich bei 136 Prozent des BIP.“
„Darüber hinaus erwartet der Internationale Währungsfonds, dass sowohl die Brutto- als auch die Nettoverschuldung Japans in den kommenden Jahren zurückgehen werden. Das steht im Gegensatz zu den USA und den meisten europäischen Ländern, für die ein anhaltender Anstieg oder bestenfalls eine Stagnation der Schuldenquoten prognostiziert wird. Dies zeigt sich auch bei der für dieses Jahr erwarteten Neuverschuldung.“
„Der IWF rechnet damit, dass Japan im Jahr 2026 neue Schulden in Höhe von rund 2 Prozent des BIP aufnehmen wird. Einschließlich des Nachtragshaushalts würde dieser Wert nun auf etwa 2,5 Prozent steigen. Dennoch wäre Japan damit weiterhin deutlich besser positioniert als die meisten anderen G10-Staaten.“