Das Paar EUR/USD hält am Dienstag in den frühen europäischen Handelsstunden nahe 1,1635 positive Kursgewinne. Die restriktive Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) bietet dem Euro (EUR) gegenüber dem US-Dollar (USD) etwas Unterstützung. Händler bereiten sich auf die vorläufige Veröffentlichung des harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) aus der Eurozone vor, die später am Dienstag erwartet wird.
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel signalisierte am Montag Zinserhöhungen und erklärte, dass die Zentralbank die inflationsfördernden Auswirkungen des Iran-Konflikts nicht länger übersehen könne, da der Preisdruck sich über den Energiesektor hinaus ausgebreitet habe und das Risiko ungebundener Inflationserwartungen gestiegen sei.
Der HVPI-Inflationsbericht der Eurozone könnte einige Hinweise auf den Zinssatz-Ausblick der EZB geben. Es wird erwartet, dass die Gesamtinflation im Mai auf 3,2 % gegenüber dem Vorjahr ansteigt, nach 3,0 % im April. Jegliche Anzeichen einer heißeren Inflation in der Eurozone könnten die Gemeinschaftswährung kurzfristig stärken.
Andererseits könnten breitere geopolitische Unsicherheiten die Händler nervös halten und eine sichere Hafenwährung wie den Greenback stützen. Die staatlichen Medien Irans berichteten, dass Teheran am Montag die Gespräche über Israels Aktionen im Libanon ausgesetzt habe. Separat erklärte US-Präsident Donald Trump, er glaube, dass eine Vereinbarung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und zur Verlängerung des Waffenstillstands mit Iran „innerhalb der nächsten Woche“ erreichbar sei.
Die Europäische Zentralbank (EZB), mit Sitz in Frankfurt am Main, steuert die Geldpolitik der Eurozone. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität, definiert durch eine Inflationsrate von rund 2 %. Durch Anpassungen der Zinssätze beeinflusst die EZB maßgeblich den Wechselkurs des Euros, der tendenziell durch höhere Zinsen gestärkt und durch niedrigere geschwächt wird.
In extremen Situationen kann die Europäische Zentralbank ein Instrument namens Quantitative Easing (QE) einsetzen. QE bedeutet, dass die EZB Euros druckt und diese verwendet, um Vermögenswerte – in der Regel Staats- oder Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstitutionen zu kaufen. QE führt in der Regel zu einer Abschwächung des Euros. Es wird als letztes Mittel eingesetzt, wenn Zinssenkungen allein das Ziel der Preisstabilität nicht erreichen können. Die EZB setzte QE während der Finanzkrise 2009-2011, 2015 bei anhaltend niedriger Inflation und während der COVID-19-Pandemie ein.
Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenteil von QE: Statt Staatsanleihen zu kaufen, stellt die EZB den Ankauf ein und reinvestiert fällige Beträge nicht mehr. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf den Euro aus, da es die Liquidität am Markt verringert.