Die Ökonomen Taimur Baig und Radhika Rao von DBS Bank erwarten für Japan im ersten Quartal ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,8 Prozent auf Quartalsbasis und annualisiert. Getragen werde dies von robusten Exporten sowie Investitionen im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und der Halbleiterindustrie. Damit bleibe die Prognose eines Gesamtjahreswachstums von 0,5 Prozent intakt. Belastend für den japanischen Yen (JPY) wirke jedoch die Rückkehr zu einem Handelsdefizit infolge steigender Ölpreise. Die Bank of Japan dürfte Zinserhöhungen daher voraussichtlich bis Juli aufschieben.
"Die vorläufigen BIP-Daten für das erste Quartal sowie die Handels- und Inflationszahlen für April werden in dieser Woche veröffentlicht. Das Wachstum dürfte mit 1,8 Prozent auf Quartalsbasis und annualisiert robust bleiben, nach 1,3 Prozent im Vorquartal. Die Exporte blieben stabil und die Industrieproduktion zog im ersten Quartal an, gestützt durch den KI-Boom und steigende Halbleiterausfuhren. Auch die Investitionen legten zu, getragen von anhaltenden Ausgaben im KI- und Halbleiterbereich."
"Der Konsum scheint sich jedoch abgeschwächt zu haben. Die Einzelhandelsumsätze – einschließlich der Ausgaben ausländischer Besucher – stiegen im ersten Quartal, doch der von der BoJ ermittelte Konsumindikator, der die inländischen Haushaltsausgaben besser abbildet, deutete auf eine Verlangsamung hin."
"Angesichts der soliden Entwicklung im ersten Quartal bleibt unsere Prognose eines Gesamtjahreswachstums von 0,5 Prozent trotz Gegenwinds durch den Nahostkonflikt und höhere Energiepreise im zweiten Quartal auf Kurs."
"Die Handelsdaten für April dürften zudem zeigen, dass die Handelsbilanz wieder ins Defizit rutscht, da sich das Exportwachstum abschwächt, während die Importe zunehmen. Die Verschlechterung der Handelsbilanz infolge höherer Ölpreise bleibt ein zentraler Belastungsfaktor für den Yen. Sollte es nicht zu einem deutlichen Rückgang der Ölpreise kommen, dürfte der Effekt der Devisenmarktinterventionen der japanischen Regierung nur vorübergehend sein."
"Die Inflationsdaten für April dürften zeigen, dass die Verbraucherpreise mit 1,5 Prozent im Jahresvergleich stabil bleiben, gestützt durch staatliche Energiezuschüsse. Da der Inflationsdruck vergleichsweise moderat bleibt, dürfte die BoJ auf ihrer Sitzung im Juni keine Eile bei Zinserhöhungen haben. Wir rechnen weiterhin mit einer Anhebung um 25 Basispunkte im Juli."