Die Analysten James Rossiter und Julie Ioffe vom Finanzhaus TD Securities gehen davon aus, dass Premierminister Keir Starmer voraussichtlich bis Ende September ersetzt wird. Im Zentrum eines möglichen Führungswettbewerbs der Labour-Partei stehen demnach Andy Burnham, Wes Streeting, Angela Rayner und Ed Miliband. Die Experten erwarten, dass sich Labour schrittweise weiter nach links bewegt – mit steigenden Staatsausgaben und höheren Steuern sowie möglichen Ausnahmen bei Verteidigungsausgaben von fiskalischen Regeln. Eine vorgezogene Parlamentswahl sehen sie jedoch frühestens im Jahr 2028.
"Unsere seit Langem vertretene Basissicht, dass Premierminister Starmer in diesem Sommer ersetzt wird, beginnt sich nun zu bewahrheiten. Kandidaten positionieren sich bereits für ein Führungsrennen, das voraussichtlich Ende Juni starten dürfte. Es ist der Beginn eines langsamen Endes für Starmer."
"Im Ergebnis dürfte sich die Labour-Partei nach links verschieben. Selbst wenn die Partei an ihren fiskalischen Regeln festhält, ist wahrscheinlich, dass sowohl die Ausgaben als auch die Steuern steigen. Auch die Verschuldung könnte zunehmen, falls Verteidigungsausgaben ausgenommen werden. Wir erwarten jedoch frühestens ab 2028 eine Parlamentswahl."
"Zwar wird jeder Kandidat im Führungswettbewerb weiterhin die Bedeutung der fiskalischen Regeln von Labour betonen, doch ist klar, dass sie der Politik ihren eigenen Stempel aufdrücken wollen (Finanzministerin Rachel Reeves dürfte mit dem Abgang Starmers mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls ersetzt werden). Ein Kandidat aus dem linken Parteiflügel könnte zwar an einer Form der Regeln von Reeves festhalten, dürfte jedoch höhere Ausgaben anstreben, was steigende Steuern nach sich ziehen würde."
"Es ist wichtig zu betonen, dass die Labour-Partei mit einer so großen Mehrheit (derzeit 165 Sitze) im Parlament in einer komfortablen Lage ist. Angesichts der aktuellen Umfragen ist es sehr wahrscheinlich, dass ein neuer Parteichef nicht kurzfristig Neuwahlen anstreben wird (anders als Boris Johnson, der bereits drei Monate nach Amtsantritt eine Wahl ausgerufen hatte)."
"Wir gehen davon aus, dass bei einer positiven Entwicklung der Umfragen unter einem neuen Premierminister eine Wahl im Laufe des Jahres 2028 stattfinden könnte. Entscheidend wird dabei die jeweilige Umfragelage sein. Eine Wahl in den Jahren 2026 oder 2027 halten wir für unwahrscheinlich."