Mit der Entspannung bei den Zollkonflikten richtet sich der Fokus der politischen Entscheidungsträger wieder stärker auf die heimische Nachfrage und Innovation. Das Wachstumsziel für das Bruttoinlandsprodukt dürfte für 2026 bei 4,5 bis 5,0 Prozent liegen, flankiert von unterstützenden makroökonomischen Maßnahmen. Die Ökonomen von Standard Chartered haben ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 4,6 Prozent angehoben, nach zuvor 4,3 Prozent. Grundlage sind Produktivitätsgewinne sowie robuste Exporte.
„Das jüngste Handelsabkommen zwischen den USA und China hat die Unsicherheit über Zölle für 2026 etwas verringert. Wir erwarten, dass die Exporte widerstandsfähig bleiben und die Politik weiterhin die Binnennachfrage unterstützt, insbesondere den Konsum, vor dem Hintergrund der anhaltenden Korrektur am Immobilienmarkt. Die Zuwächse bei der gesamtwirtschaftlichen Produktivität (TFP) dürften das Wachstum weiter antreiben, unterstützt durch die schnelle Einführung von KI. Die Inflation dürfte gedämpft bleiben: Wir senken unsere Prognose für 2026 auf 0,6 Prozent von zuvor 1,0 Prozent, da wir mit schwächeren Preisen für Lebensmittel und Energie rechnen. Zentrale politische Herausforderungen bestehen darin, Kapazitätsabbau und Investitionsstabilisierung in Einklang zu bringen sowie fiskalische Mittel optimal einzusetzen, um die Staatsausgaben und das Umschuldungsprogramm der lokalen Regierungen zu unterstützen.“
„Wir gehen davon aus, dass Chinas makroökonomische Politik wachstumsstützend bleibt, um die Konjunktur abzufedern. Gleichzeitig dürften die Entscheidungsträger extrem lockere Maßnahmen vermeiden, um die Finanzstabilität zu sichern und kurzfristige konjunkturelle Entlastung mit der langfristigen strukturellen Agenda auszubalancieren. Wir erwarten, dass das offizielle Haushaltsdefizit 2026 leicht auf 3,8 Prozent des BIP sinkt, nach 4,0 Prozent im Jahr 2025. Die Emission von Sonderanleihen durch Zentral- und Lokalregierungen dürfte jedoch hoch bleiben, um sowohl Staatsausgaben als auch das Programm zum Tausch verdeckter Schulden der Kommunen zu finanzieren. Zudem rechnen wir damit, dass die Zentralbank ausreichend Liquidität bereitstellt, um das Angebot an Staatsanleihen zu ermöglichen. Wir ziehen unseren Zeitplan für eine Zinssenkung um 10 Basispunkte auf das zweite Quartal 2026 vor, nach zuvor dem vierten Quartal 2025, und erwarten nun eine Senkung des Mindestreservesatzes um 25 Basispunkte im ersten Quartal, da die Zentralbank ihren Fokus auf 2026 verlagert.“
„Der 15. Fünfjahresplan Chinas setzt klare Schwerpunkte auf Konsum und Innovation. Neue Wachstumstreiber ersetzen bereits die traditionellen, wenn auch schrittweise. Die neue Wirtschaft, insbesondere konsumorientierte und technologiegetriebene Sektoren, dürfte in den kommenden Jahren einen größeren Anteil am Bruttoinlandsprodukt gewinnen – zulasten des Immobiliensektors.“