Der Rohstoffstratege von TD Securities, Bart Melek, sieht Gold derzeit unter Druck. Grund sei eine durch steigende Ölpreise angeheizte Inflation, die die realen Zinsen hoch halte und damit die Opportunitätskosten für das Halten des Edelmetalls erhöhe. Zudem habe die Nachfrage von institutionellen Investoren, ETFs und Zentralbanken nachgelassen. Technische Unterstützung liege im Bereich des 200-Tage-Durchschnitts bei rund 4.258 US-Dollar, während bei einer Stabilisierung des Ölmarktes bis Jahresende eine Erholung in Richtung 5.200 Dollar möglich sei.
„Im deutlichen Gegensatz zu den meisten anderen Rohstoffen profitiert Gold als monetäres Metall von steigender Inflation und entwickelt sich in solchen Phasen in der Regel positiv. Dies gilt jedoch meist nur dann, wenn die Geldpolitik nicht aktiv versucht, die Inflation durch einen starken Anstieg der realen Zinsen zu bekämpfen, wie es etwa in den Jahren 1979 bis 1982 der Fall war.“
„Angesichts des aktuellen negativen Angebotsschocks besteht das Risiko, dass die Geldpolitik relativ restriktiv bleibt. Das bedeutet hohe reale Finanzierungskosten und entsprechend hohe Opportunitätskosten für das Halten von Gold. Dies dürfte erklären, warum die Nachfrage von institutionellen Investoren, ETFs und Zentralbanken seit Beginn des Krieges schwach ist.“
„Damit dürften die Inflationserwartungen nahezu sicher weiter steigen, und die Märkte würden erneut verstärkt Sorgen über Stagflation und steigende Zinsen entlang der gesamten Zinsstrukturkurve entwickeln. Diese Bedenken haben bereits erheblichen Druck auf Edel- und Industriemetalle ausgeübt. Gold ist seit Beginn des Konflikts um rund 700 Dollar je Unze gefallen (–13 %), Silber hat 21 Dollar je Unze verloren (–22 %), während Kupfer trotz eines erheblichen Marktdefizits kaum Bewegung gezeigt hat.“
„Einige Zentralbanken haben ihre Käufe aufgrund von Liquiditätsengpässen im Zusammenhang mit dem Krieg reduziert und könnten auf niedrigere Einstiegsniveaus in der Nähe wichtiger Unterstützungsmarken warten. Aus technischer Sicht stellt der 200-Tage-Durchschnitt von Gold, derzeit bei rund 4.258 Dollar, eine zentrale Unterstützung dar. Ein Anstieg des Ölpreises auf 150 Dollar je Barrel könnte das Edelmetall bis auf dieses Niveau drücken.“
„Solange diese Marke jedoch im Großen und Ganzen hält, bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Sobald sich der Ölmarkt stabilisiert und die Inflationssignale nachlassen, erwarten wir, dass Gold bis zum Jahresende wieder in den Bereich von 5.200 Dollar vordringen wird.“