Der Gouverneur der Bank of England (BoE), Andrew Bailey, sagte während der europäischen Handelssitzung am Freitag, dass die Zentralbank die Lage im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf die britische Wirtschaft und Inflation sehr genau beobachten und die Politik bei Bedarf anpassen sollte.
Nachdem wir vorerst erwartete Zinssenkungen vom Tisch genommen haben, haben wir die Geldpolitik bereits erheblich verschärft als Reaktion auf den Schock im Vergleich zu dem, was die Märkte erwartet hatten.
Das wirkt sich bereits auf die Wirtschaft aus.
Die Schwäche der Wirtschaft und die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Kriegsschock bedeuten, dass es angemessen ist, vorübergehend eine über dem Ziel liegende Inflation zu tolerieren, um den Zielkonflikt der Geldpolitik zu bewältigen.
Diese Toleranz würde jedoch nachlassen, wenn Anzeichen für Zweitrundeneffekte auftreten.
Höhere Inflationserwartungen spiegeln sich nicht in den Lohnforderungen und -vereinbarungen wider.
Die Hoffnungen auf einen Rückgang der Renditenkurve am britischen Anleihemarkt bleiben bestehen, hängen jedoch von den Ereignissen im Nahen Osten ab.
Nach den Äußerungen von BoE-Gouverneur Bailey gab es leichten Verkaufsdruck auf das britische Pfund (GBP). Allerdings hatte sich GBP/USD bereits schwächer entwickelt und notierte 0,23 % tiefer bei rund 1,3415.
Die Bank of England (BoE) legt die Geldpolitik Großbritanniens fest. Ihr Hauptziel ist die Preisstabilität mit einer Inflationsrate von 2 %. Änderungen des Leitzinses wirken sich unmittelbar auf den Wert des britischen Pfunds aus.
Wenn die Inflation das Ziel der Bank of England übersteigt, reagiert sie mit Zinserhöhungen, was es für Privatpersonen und Unternehmen teurer macht, Kredite aufzunehmen. Dies ist positiv für das Pfund, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für globale Investoren attraktiver machen.
In Krisenzeiten greift die Bank of England zu außergewöhnlichen Maßnahmen wie der sogenannten quantitativen Lockerung (Quantitative Easing, QE). Diese Politik wird angewandt, wenn Zinssenkungen nicht ausreichen, um das Finanzsystem wieder in Gang zu bringen. QE bedeutet, dass die Bank of England große Mengen an Geld druckt, um Vermögenswerte – in der Regel Staatsanleihen oder hoch bewertete Unternehmensanleihen – von Banken und anderen Finanzinstituten zu kaufen. Dies soll die Kreditvergabe ankurbeln, hat jedoch oft zur Folge, dass das Pfund Sterling an Wert verliert.
Die sogenannte Quantitative Straffung (QT) ist das Gegenstück zur quantitativen Lockerung (QE) und wird in Phasen einer erstarkenden Wirtschaft und steigender Inflation angewendet. Während die Bank of England im Rahmen von QE Staats- und Unternehmensanleihen erwirbt, um die Kreditvergabe anzukurbeln, stellt sie bei QT diese Käufe ein und reinvestiert fälliges Kapital aus bereits gehaltenen Anleihen nicht. QT gilt in der Regel als förderlich für die Stabilität des britischen Pfunds.