ING-Stratege Frantisek Taborsky sieht die Währungen in Mittel- und Osteuropa durch eine weltweit zunehmende Risikoaversion unter Druck. EUR/PLN und EUR/CZK bewegten sich in Richtung der oberen Grenzen ihrer jüngsten Handelsspannen. Zugleich warnt er vor wachsenden Abwärtsrisiken infolge der Dollar-Stärke und verzögert sichtbarer wirtschaftlicher Belastungen. Für Ungarn bleibt er zwar grundsätzlich optimistisch, verweist jedoch auf Gewinnmitnahmen beim Forint sowie eine lockerere Haltung der ungarischen Notenbank, die den Zinsvorteil der Währung schmälern könnte.
„Die globale Risikoaversion spricht klar gegen die CEE-Währungen, und wie wir bereits am Montag erörtert haben, ist das für uns ein Grund, hier eher negativ für Devisen zu sein. Die CEE-Währungen haben sich seit Beginn des Konflikts sehr gut entwickelt, und selbst in dieser Woche haben wir trotz einiger Schwäche keinen Ausbruch aus den üblichen Handelsspannen gesehen. Vorerst erwarten wir eher eine Bewegung an die oberen Ränder von EUR/PLN bei 4,230–4,260 und EUR/CZK bei 24,250–24,400.“
„Auf der anderen Seite nehmen die Abwärtsrisiken mit der jüngsten Dollar-Rally zu. Die negativen Auswirkungen auf Wirtschaft und Leistungsbilanz werden sich zudem erst in den kommenden Monaten in den Daten widerspiegeln.“
„Der ungarische Forint bewegt sich seit den Wahlen im April wie gewohnt in einem eigenen Umfeld, zeigt aber ebenfalls Einflüsse globaler Trends. Die meisten erwarteten politischen Entwicklungen sind nach den Wahlen eingetreten, und Investoren könnten hier eine gewisse Ermüdung sehen. Wir bleiben für Ungarn zwar optimistisch, doch dürften Anleger Gewinne mitnehmen, wobei Devisen angesichts der hohen Positionierung in Forint-Anlagen aus unserer Sicht die erste Wahl sind.“
„Zudem hat die ungarische Notenbank eine eher lockere Haltung signalisiert, was den Zinsvorteil der Währung teilweise untergraben dürfte. EUR/HUF schloss gestern bei 362. Das hat derzeit noch wenig Aussagekraft, doch sollte die Marke von 365 überschritten werden – ein Niveau, bei dem der Markt Zinssenkungen eingepreist hatte –, könnten Marktteilnehmer beginnen, ihre Erwartungen zurückzunehmen, und die Schwäche der Währung würde sich auch im Zinsmarkt bemerkbar machen.“