Microsoft hat am Mittwoch mit seinen Quartalszahlen sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn die Erwartungen der Analysten übertroffen. Vor allem das anhaltend starke Wachstum des Cloud-Geschäfts Azure konnte die zuletzt aufgekommenen Sorgen über die hohen Investitionsausgaben für künstliche Intelligenz (KI) vorerst zerstreuen.
Die Microsoft-Aktie legte im nachbörslichen Handel um knapp vier Prozent zu.
„Das entscheidende Azure-Wachstum hat die Erwartungen übertroffen. Das zeigt, dass Microsoft bei der wirtschaftlichen Verwertung seiner KI-Investitionen gute Fortschritte macht. Davon könnten auch andere Bereiche des KI-Sektors profitieren. Vor allem aber ist das starke Azure-Geschäft der wesentliche Grund für die positive Kursreaktion, die wir derzeit im nachbörslichen Handel beobachten“, erklärte Ryan Lee, Senior Vice President für Produktentwicklung und Strategie beim Finanzdienstleister Direxion.
Die Zahlen des Softwarekonzerns erscheinen in einer Phase, in der Investoren die milliardenschweren KI-Ausgaben der Technologiebranche zunehmend kritisch hinterfragen. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob sich die enormen Investitionen in die notwendige Infrastruktur wirtschaftlich auszahlen werden. Dazu gehören sowohl die Hardware als auch die Software, die für die Verarbeitung riesiger Datenmengen und die Rechenleistung zur Entwicklung und zum Training von KI-Systemen benötigt werden.
Zusätzliche Sorgen bereitet die steigende Verschuldung vieler Unternehmen, die den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur zunehmend über neue Anleihen finanzieren. Die umfangreiche Schuldenaufnahme hat auch zum Verkaufsdruck an den Staatsanleihemärkten in den USA und weltweit beigetragen.
Microsoft hatte sich mit seiner frühen Beteiligung am ChatGPT-Entwickler OpenAI eine wichtige Ausgangsposition im KI-Boom gesichert. Seitdem hat der Konzern sein eigenes Angebot deutlich ausgebaut. Dazu gehören die Entwicklung eigener KI-Modelle, eine breitere Aufstellung der Cloud-Infrastruktur, die Einführung von KI-Agenten und die Integration künstlicher Intelligenz in bestehende Kernprodukte.
Im Zuge dieser Entwicklung ist das gemessen am Börsenwert drittgrößte Unternehmen der Welt auch zu einem sogenannten KI-Hyperscaler geworden. Microsoft investiert erhebliche Summen in den Bau und Betrieb großer Rechenzentren. Zu den weiteren wichtigen Anbietern dieser Kategorie zählen Meta Platforms, Alphabet, Amazon und Oracle. Im vergangenen Quartal war Microsoft allerdings der einzige Konzern dieser Gruppe, der seine Investitionsprognose nicht angehoben hatte.
Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Microsoft einen Gewinn je Aktie von 4,89 US-Dollar bei einem Umsatz von 92,28 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten im Durchschnitt lediglich mit einem Gewinn von 4,72 US-Dollar je Aktie und Erlösen von 90,61 Milliarden US-Dollar gerechnet.
Obwohl inzwischen vor allem die KI-Strategie im Mittelpunkt des Anlegerinteresses steht, bleibt das Cloud-Geschäft Azure der wichtigste Wachstumstreiber des Konzerns. Im Geschäftsjahr 2026 hatte Azure erstmals die Umsatzmarke von 100 Milliarden US-Dollar überschritten.
Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 beschleunigte sich das Wachstum erneut. Der Azure-Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 48 Prozent. Dadurch legten auch die gesamten Cloud-Erlöse von Microsoft kräftig zu. Sie erhöhten sich währungsbereinigt um 31 Prozent auf 63,9 Milliarden US-Dollar.
„Wir bieten unseren Kunden über unsere gesamte Technologieplattform hinweg mehr Leistungsfähigkeit, größere Auswahlmöglichkeiten, mehr Kontrolle und eine höhere Kosteneffizienz. Indem wir Unternehmen dabei unterstützen, eigene intelligente Systeme zu entwickeln und selbst zu kontrollieren, und durch sichere und zuverlässige KI-Agenten Vertrauen schaffen, gelingt es uns, unsere Innovationen in eine zunehmende Nutzung und einen konkreten Mehrwert in sämtlichen Branchen umzusetzen“, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella in einer Mitteilung.