Silberpreis brutal unter Druck: Droht jetzt der Fall auf 51,50 Dollar?

Der Silberpreis hat sich nach dem jüngsten Absturz wieder etwas gefangen. Doch genau hier könnte die nächste Falle für Anleger lauern.
Am 21. Oktober notiert der Silber-Future (ICE) bei 57,358 US-Dollar und damit 1,11 % im Minus. Vom jüngsten Tief bei 55,56 US-Dollar konnte sich der Silberpreis zwar lösen. Eine echte Trendwende ist daraus bislang aber nicht geworden. Im Gegenteil: Das technische Bild bleibt angeschlagen und spricht weiterhin klar für die Verkäufer.
Der entscheidende Bereich liegt jetzt nur wenige Dollar entfernt. Zwischen 60,38 und 60,50 US-Dollar wartet eine Zone, an der sich entscheiden dürfte, ob Silber tatsächlich wieder nach oben drehen kann oder ob die Erholung nur eine kurze Pause vor der nächsten Abwärtswelle war.
Aktuell spricht mehr für Letzteres.
Beim Silberpreis haben noch immer die Verkäufer das Sagen
Ein Blick auf den Chart zeigt schnell, warum die Lage so schwierig bleibt.
Der Silberpreis notiert weiterhin unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten. Der 20-Tage-EMA liegt bei 60,1712 US-Dollar, der 50-Tage-SMA bei 64,1244 US-Dollar und der 200-Tage-SMA sogar bei 71,9932 US-Dollar.
Damit muss Silber gleich mehrere technische Hürden überwinden, bevor überhaupt von einem stabileren Aufwärtstrend gesprochen werden kann.
Auch der Blick auf die vergangenen drei Monate ist eindeutig. Der Trend zeigt nach unten. Auf ein Hoch bei 72,05 US-Dollar folgte ein tieferes Hoch bei 62,46 US-Dollar. Gleichzeitig rutschte der Silberpreis auf der Unterseite bis 55,56 US-Dollar ab.
Höhere Hochs? Fehlanzeige.
Stattdessen bildet sich ein fallender Trendkanal mit immer tieferen Hochs und Tiefs. Genau dieses Muster spricht normalerweise dafür, dass Verkäufer weiterhin die Kontrolle besitzen.
Der jüngste Anstieg vom Tief sieht deshalb bislang eher nach einer klassischen Gegenbewegung innerhalb eines Abwärtstrends aus als nach dem Start einer neuen Rally.
Die aktuelle technische Gesamteinschätzung lautet entsprechend weiter „Strong Sell“.
Und auch die Indikatoren geben den Silber-Bullen bislang wenig Unterstützung.
Der ADX liegt bei 26,38. Noch wichtiger ist aber das Verhältnis der beiden Richtungsindikatoren. Der negative -DI steht bei 24,68, während der positive +DI lediglich 12,13 erreicht.
Vereinfacht gesagt: Der bestehende Trend besitzt noch ausreichend Kraft und die Verkäufer bestimmen weiterhin die Richtung.
Der RSI liegt bei 38,54. Silber ist damit zwar bereits deutlich zurückgekommen, befindet sich aber noch nicht in einem Bereich, aus dem sich automatisch eine kräftige Gegenbewegung ableiten ließe.
Ähnlich sieht es beim MACD aus. Er bleibt mit -1,917 klar negativ, das Histogramm liegt bei -0,2425.
Das Momentum ist also schwach. Ein echtes Kapitulationssignal, das häufig am Ende größerer Abwärtsbewegungen auftritt, ist jedoch noch nicht zu erkennen.
Diese Marke könnte jetzt über den nächsten Silber-Crash entscheiden
Für Anleger wird damit vor allem eine Marke wichtig: 55,56 US-Dollar.
Dort konnte der Silberpreis zuletzt noch Käufer finden. Fällt diese Unterstützung jedoch auf Schlusskursbasis, dürfte sich das technische Bild erneut deutlich verschlechtern.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Fortsetzung des Abwärtstrends wird auf Basis der aktuellen Chartstruktur mit 78 % angesetzt.
Ein bestätigter Bruch unter 55,56 US-Dollar würde demnach die nächste Abwärtswelle aktivieren.
Das erste mögliche Kursziel liegt anschließend bei 53,50 US-Dollar. Von dort wäre auch ein Rückgang bis 51,50 US-Dollar denkbar.
Bei einem Einstieg nach einem Bruch der Marke von 55,56 US-Dollar und einem Stop bei 56,80 US-Dollar würde das Chance-Risiko-Verhältnis für das erste Ziel bei rund 1,7 liegen. Für das zweite Ziel bei 51,50 US-Dollar wären es etwa 3,3.
Eine aggressivere Short-Variante wäre bereits im Bereich von 58,75 US-Dollar möglich. Der dazugehörige Stop läge bei 60,00 US-Dollar.
Doch genau an diesem Punkt zeigt sich auch das Problem solcher frühen Positionierungen: Der Silberpreis befindet sich nahe einer wichtigen Unterstützungszone und kurzfristige Gegenbewegungen können entsprechend heftig ausfallen.
Die steigenden Stochastik-Werte passen genau in dieses Bild. Sie zeigen, dass kurzfristig durchaus weiteres Erholungspotenzial vorhanden ist.
Mehr aber bislang auch nicht.
Eine steigende Stochastik innerhalb eines Abwärtstrends ist noch kein Kaufsignal für eine nachhaltige Trendwende.
Silber hat ein langfristiges Argument – aber kurzfristig hilft es kaum
Fundamental gibt es durchaus Gründe, Silber nicht abzuschreiben.
Die Region zwischen 55 und 60 US-Dollar wurde zuletzt als stark schwankende Unterstützungszone identifiziert. Gleichzeitig spricht das erwartete Angebotsdefizit bei Silber im Jahr 2026 langfristig für eine gewisse Knappheit am Markt.
Das ist ein Argument, das Investoren nicht ignorieren sollten.
Aber genau hier liegt ein häufiger Fehler an den Märkten: Ein langfristig positives fundamentales Umfeld bedeutet nicht automatisch, dass ein Preis kurzfristig steigen muss.
Ein Rohstoff kann fundamental knapp sein und trotzdem über Wochen oder Monate weiter fallen, wenn das technische Momentum gegen ihn läuft.
Beim Silberpreis ist genau das derzeit der Fall.
Das langfristige Angebotsthema spricht für Silber. Der aktuelle Chart spricht dagegen.
Wer hier einsteigen will, sollte deshalb nicht nur auf die Story rund um ein mögliches Angebotsdefizit schauen, sondern vor allem darauf, ob der Markt beginnt, diese Story tatsächlich wieder einzupreisen.
Genau dafür gibt es bislang noch keinen überzeugenden Beweis.
Die Bullen brauchen jetzt genau dieses Signal
Ganz chancenlos ist die Gegenseite allerdings nicht.
Der Silberpreis hat bei 55,56 US-Dollar zunächst Halt gefunden. Käufer waren dort also bereit, in den Markt zurückzukehren.
Auch der Stoch-RSI hat sich auf 54,01 verbessert.
Das zeigt, dass sich das kurzfristige Momentum stabilisiert.
Für eine wirkliche Trendwende reicht das trotzdem noch nicht.
Der Silberpreis muss zuerst den Bereich zwischen 60,38 und 60,50 US-Dollar zurückerobern. Genau dort liegt derzeit die wichtigste technische Hürde.
Besonders interessant: Die Zone fungierte zuvor als Unterstützung. Nach dem Bruch nach unten ist daraus nun Widerstand geworden.
Solche Bereiche sind im Chart häufig besonders hart umkämpft.
Anleger, die zuvor oberhalb von 60 US-Dollar gekauft haben und nun auf Verlusten sitzen, könnten einen Anstieg in diese Region nutzen, um Positionen zu verkaufen. Gleichzeitig dürften dort neue Short-Positionen aufgebaut werden.
Erst ein Schlusskurs oberhalb von 60,50 US-Dollar würde dieses Bild deutlich verändern.
Dann wäre erstmals zu erkennen, dass die Käufer tatsächlich wieder mehr Kontrolle gewinnen.
Die Wahrscheinlichkeit für dieses Szenario wird aktuell lediglich mit 22 % angesetzt.
Sollte der Ausbruch gelingen, läge das erste Kursziel bei 62,46 US-Dollar. Danach würde die Marke von 63,88 US-Dollar in den Fokus rücken.
Bei einem Einstieg bei 60,50 US-Dollar und einem Stop bei 59,20 US-Dollar ergibt sich bis zum ersten Ziel ein Chance-Risiko-Verhältnis von etwa 1,5. Beim zweiten Ziel wären es rund 2,6.
Damit ist die Lage ungewöhnlich klar: Unter 60,50 US-Dollar bleibt die aktuelle Bewegung lediglich eine Erholung. Oberhalb dieser Marke würde sich erstmals ein ernst zu nehmendes Signal für eine kurzfristige Trendwende ergeben.
Jetzt kommt auch von der Fed neue Bewegung
Zusätzlich zum Chart stehen mehrere wichtige US-Termine bevor, die den Silberpreis kurzfristig bewegen könnten.
Am 22. Oktober werden um 8:30 Uhr EDT die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA veröffentlicht.
Am 28. Oktober folgt um 14:00 Uhr EDT die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank Fed.
Nur einen Tag später, am 29. Oktober um 8:30 Uhr EDT, werden die Daten zum Kern-PCE veröffentlicht.
Gerade die Fed-Sitzung könnte für Silber neue Volatilität bringen.
Der Silberpreis reagiert sensibel auf Veränderungen bei Zinserwartungen, beim US-Dollar und an den Anleihemärkten. Entsprechend können neue Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs schnell größere Bewegungen auslösen.
Das macht die aktuelle Ausgangslage zusätzlich spannend.
Technisch steht Silber direkt vor wichtigen Marken. Gleichzeitig warten mehrere Termine, die genügend Kraft hätten, einen Ausbruch in die eine oder andere Richtung zu beschleunigen.
Mein Fazit zum Silberpreis
Der Silberpreis hat sich vom jüngsten Tief erholt. Mehr aber bislang nicht.
Wer jetzt bereits auf die große Trendwende setzt, läuft Gefahr, eine klassische Erholung innerhalb eines intakten Abwärtstrends mit dem Beginn einer neuen Rally zu verwechseln.
Die technischen Fakten sprechen weiterhin gegen Silber. Der Drei-Monats-Trend zeigt nach unten, der Preis liegt unter allen großen gleitenden Durchschnitten und auch die Trendindikatoren bleiben auf der Seite der Verkäufer.
Deshalb ist die Marke von 55,56 US-Dollar jetzt so wichtig.
Fällt sie, könnte sich die Abwärtsbewegung zunächst in Richtung 53,50 US-Dollar und anschließend bis 51,50 US-Dollar fortsetzen. Dieses Szenario erhält aktuell eine Wahrscheinlichkeit von 78 %.
Die Bullen haben dagegen eine klare Aufgabe: Sie müssen den Silberpreis nachhaltig über 60,50 US-Dollar treiben.
Erst dann würde sich das Bild drehen und die Marken bei 62,46 und 63,88 US-Dollar würden interessant.
Bis dahin bleibt die jüngste Erholung gefährlich.
Denn beim Silberpreis sieht es momentan weniger nach einer neuen Rally aus – und mehr nach einer Pause im bestehenden Abwärtstrend.
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