Der Goldpreis steht wieder an einem entscheidenden Punkt.
Nach der jüngsten Erholung könnte man meinen, dass sich die Lage langsam beruhigt. Doch der Blick auf den Chart zeigt ein anderes Bild. Der Goldpreis steckt weiterhin in einem klaren Abwärtstrend, die wichtigsten gleitenden Durchschnitte liegen über dem aktuellen Kurs und auch bei den Momentum-Indikatoren haben die Verkäufer noch die Oberhand.
Donnerstagmorgen notierten die Gold-Futures bei 4.043,37 US-Dollar. Damit liegt der Goldpreis unter der 20-Tage-EMA bei 4.142,61 US-Dollar, dem 50-Tage-Durchschnitt bei 4.315,28 US-Dollar und der 200-Tage-Linie bei 4.524,81 US-Dollar.
Das ist zunächst einmal kein gutes Signal.
Noch wichtiger ist aber die Struktur der vergangenen drei Monate. Gold bildet weiterhin tiefere Hochs und tiefere Tiefs. Solange sich daran nichts ändert, bleibt der übergeordnete Trend abwärtsgerichtet.
Die Erholung vom 23. Oktober ist deshalb bislang nur eine Gegenbewegung.
Genau hier liegt der entscheidende Punkt für Anleger: Der Goldpreis sieht kurzfristig etwas stabiler aus, doch für eine echte Trendwende reicht das noch nicht.
Besonders wichtig ist aktuell der Bereich zwischen 4.091 und 4.124 US-Dollar.
Solange der Goldpreis darunter bleibt, spricht das Chartbild weiter für eine Fortsetzung des Abwärtstrends.
Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt derzeit bei 70 %.
Das alternative Szenario, also eine kurzfristige Trendwende, kommt auf 30 %.
Wichtig ist dabei die richtige Einordnung: Diese Wahrscheinlichkeiten beziehen sich auf die jeweiligen Chart- und Marktszenarien. Sie sagen nichts darüber aus, wie hoch die Erfolgswahrscheinlichkeit eines einzelnen Trades ist.
Für die Bullen gibt es eine klare Marke.
Der Goldpreis müsste zunächst auf Tagesschlusskursbasis über 4.124 US-Dollar steigen. Erst dann würde sich das kurzfristige Bild spürbar verbessern.
Noch stärker wäre das Signal, wenn anschließend auch die Marke von 4.242 US-Dollar überwunden wird.
Genau dort könnte sich entscheiden, ob aus der aktuellen Gegenbewegung tatsächlich mehr wird.
Der Goldpreis bewegt sich aktuell in einem fallenden Trendkanal.
Die obere Begrenzung verläuft über die Hochpunkte vom 18. September, 2. Oktober und 12. Oktober. Die untere Begrenzung orientiert sich an den Tiefpunkten vom 28. September und 23. Oktober.
Das spricht weiter für eine intakte Abwärtsstruktur.
Interessant ist allerdings das jüngste Kerzenmuster.
Am 27. Oktober entstand ein sogenanntes „Three Inside Up“-Muster. Das kann grundsätzlich auf eine kurzfristige Erholung hindeuten.
Und genau das sehen wir aktuell auch.
Doch hier sollte man vorsichtig sein. Ein positives Kerzenmuster innerhalb eines Abwärtstrends ist noch kein Beweis für eine nachhaltige Trendwende.
Es zeigt lediglich, dass sich das kurzfristige Momentum verbessern kann.
Anders gesagt: Gold kann steigen, ohne dass der Abwärtstrend bereits vorbei ist.
Auch mehrere technische Indikatoren sprechen noch gegen eine nachhaltige Erholung.
Der ADX liegt bei 29,10. Gleichzeitig steht der negative Directional Indicator bei 25,32, während der positive +DI lediglich 13,38 erreicht.
Das zeigt relativ klar, wo aktuell der stärkere Druck liegt.
Bei den Verkäufern.
Auch der RSI passt in dieses Bild. Mit 38,42 liegt er deutlich unter der neutralen Marke von 50.
Der MACD bleibt mit -63,90 negativ. Der Bull/Bear Power-Indikator liegt bei -82,91.
Damit fehlt aktuell noch der entscheidende Impuls, der für einen echten Trendwechsel sprechen würde.
Der bärische Fall würde deutlich an Überzeugung verlieren, wenn der RSI wieder über 50 steigt und der MACD gleichzeitig ins Positive dreht.
Bis dahin bleibt der Vorteil bei den Verkäufern.
Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit.
Das On-Balance-Volume liegt weiterhin unter seinem Niveau von Anfang Oktober.
Das bedeutet: Die jüngste Erholung wird bislang nicht von einem überzeugenden Volumensignal begleitet.
Und genau das ist bei möglichen Trendwenden häufig wichtig.
Eine nachhaltige Bewegung nach oben gewinnt normalerweise an Qualität, wenn auch das Volumen mitzieht.
Davon ist aktuell noch wenig zu sehen.
Die Erholung beim Goldpreis wirkt deshalb bislang eher wie eine technische Gegenbewegung als wie der Beginn eines neuen Aufwärtstrends.
Trotzdem wäre es falsch, das positive Szenario komplett abzuschreiben.
Einige kurzfristige Indikatoren haben sich bereits verbessert.
Der Stochastic-%K liegt bei 30,61 und damit über dem %D-Wert von 25,11.
Auch beim StochRSI zeigt sich ein ähnliches Bild. Der %K-Wert liegt bei 53,66, der %D-Wert bei 33,23.
Das spricht für kurzfristig besseren Schwung.
Aber auch hier gilt: Das reicht noch nicht für eine strukturelle Trendwende.
Die entscheidende Marke bleibt 4.124 US-Dollar.
Ein Tagesschlusskurs darüber würde die nahe Widerstandszone des fallenden Trendkanals durchbrechen.
Steigt der Goldpreis anschließend auch über 4.242 US-Dollar, würde das bullische Szenario deutlich an Gewicht gewinnen.
Für das bärische Szenario liegt der Trigger bei einem Schlusskurs unter 3.989,10 US-Dollar.
In diesem Fall würde sich die Fortsetzung des Abwärtstrends bestätigen.
Ein aggressiver Einstieg läge bei 4.100 US-Dollar mit einem Stop bei 4.160 US-Dollar.
Der reguläre Einstieg wäre bei 3.988 US-Dollar vorgesehen, mit einem Stop bei 4.060 US-Dollar.
Das erste Ziel liegt bei 3.875 US-Dollar. Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1,6.
Das zweite Ziel liegt bei 3.800 US-Dollar. Hier würde das Chance-Risiko-Verhältnis bei 2,6 liegen.
Das bullische Szenario setzt dagegen einen Schlusskurs über 4.124 US-Dollar voraus.
Ein möglicher Einstieg läge dann bei 4.125 US-Dollar, der Stop bei 4.060 US-Dollar.
Das erste Ziel wäre 4.242 US-Dollar mit einem Chance-Risiko-Verhältnis von 1,8.
Das zweite Ziel liegt bei 4.315 US-Dollar. Das entspricht einem Chance-Risiko-Verhältnis von 2,9.
Der Goldpreis hat sich kurzfristig stabilisiert, aber das größere Bild bleibt angespannt.
Der Trend der vergangenen drei Monate zeigt weiterhin tiefere Hochs und tiefere Tiefs. Gleichzeitig liegt der Kurs unter der 20-Tage-EMA, dem 50-Tage-Durchschnitt und der 200-Tage-Linie.
Das spricht klar gegen eine bereits vollzogene Trendwende.
Auch die Momentum- und Volumenindikatoren liefern bislang noch keine überzeugende Bestätigung für einen nachhaltigen Anstieg.
Deshalb bleibt das bärische Szenario mit 70 % Wahrscheinlichkeit klar vorne.
Für Anleger kommt es jetzt vor allem auf die Zone zwischen 4.091 und 4.124 US-Dollar an.
Dort entscheidet sich, ob die jüngste Erholung nur eine kurze Pause im Abwärtstrend bleibt oder ob Gold tatsächlich wieder Stärke entwickeln kann.
Ein Tagesschlusskurs über 4.124 US-Dollar wäre der erste ernsthafte Schritt in diese Richtung.
Oberhalb von 4.242 US-Dollar würde sich das Bild deutlich verbessern.
Solange diese Marken nicht fallen, bleibt beim Goldpreis allerdings Vorsicht angesagt.
Risikohinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und dem Finanzjournalismus und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Der Handel mit Aktien und anderen Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum teilweisen oder vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals führen.