Die Aktie von Alphabet ist am Donnerstag im vorbörslichen US-Handel um zehn Prozent eingebrochen. Der Google-Mutterkonzern hatte für das dritte Quartal einen Gewinn deutlich unter den Erwartungen der Wall Street gemeldet. Verluste aus Finanzanlagen und steigende Kosten belasteten die Profitabilität, obwohl der Umsatz kräftig zulegte und die Nachfrage nach KI-Dienstleistungen weiter an Fahrt gewann.
Alphabet erzielte einen Gewinn je Aktie von 2,12 US-Dollar und verfehlte damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 3,02 US-Dollar um 0,90 US-Dollar. Der Umsatz stieg um 25 Prozent auf 127,6 Milliarden US-Dollar und lag damit knapp über den erwarteten 127,22 Milliarden US-Dollar.
Ausschlaggebend für die Gewinnenttäuschung waren neben höheren Kosten vor allem die deutlich verschlechterten Erträge außerhalb des operativen Geschäfts. Hatte Alphabet im Vorjahresquartal noch einen positiven Saldo aus sonstigen Erträgen von 12,8 Milliarden US-Dollar ausgewiesen, stand nun ein Nettoaufwand von 8,2 Milliarden US-Dollar zu Buche. Allein aus Wertpapieranlagen entstand ein Verlust von 8,7 Milliarden US-Dollar. Nach Steuern verringerte dieser den Nettogewinn um 6,7 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 0,55 US-Dollar je verwässerter Aktie.
Das operative Geschäft entwickelte sich dagegen deutlich besser. Der Betriebsgewinn kletterte um 30 Prozent auf 40,6 Milliarden US-Dollar. Allerdings stiegen auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung erheblich. Sie erhöhten sich von 15,2 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 20,6 Milliarden US-Dollar. Aus der Ergebnisveröffentlichung geht nicht im Einzelnen hervor, welchen Anteil die verschiedenen Belastungsfaktoren an der Verfehlung der Gewinnerwartungen um 0,90 US-Dollar je Aktie hatten.
Vorstandschef Sundar Pichai verwies auf die zunehmende Verbreitung künstlicher Intelligenz in den verschiedenen Geschäftsbereichen. Alphabet habe inzwischen auf das Gesamtjahr hochgerechnet eine Umsatzrate von einer halben Billion US-Dollar erreicht. Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei Gemini Enterprise. Die Ausgaben der Kunden für die Plattform haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als vervierfacht. Nach Angaben von Google-Cloud-Chef Thomas Kurian, der sich auf der Analystenkonferenz äußerte, nutzen mittlerweile mehr als 90 Prozent der 100 umsatzstärksten US-Unternehmen aus der Fortune-100-Liste das Angebot.
Das Cloud-Geschäft erwies sich erneut als wesentlicher Wachstumstreiber. Der Umsatz von Google Cloud schoss um 103 Prozent auf 30,7 Milliarden US-Dollar nach oben. Der operative Gewinn der Sparte hat sich mit 11,1 Milliarden US-Dollar mehr als verdreifacht. Nach Angaben von Kurian verfügt Google Cloud inzwischen über 18 Produktbereiche, die jeweils einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar erzielen.
Auch bei der Entwicklung eigener KI-Modelle meldete Alphabet Fortschritte. Laut Pichai übertrifft das neue Modell Carbon die Leistungsfähigkeit von Gemini 4 Argon. Derzeit wird es gemeinsam mit der US-Regierung getestet. Eine erste Einführung ist für Partner aus dem Bereich Cybersicherheit vorgesehen. Zugleich wächst die Zahl der Suchanfragen bei Google nach Angaben des Konzernchefs so schnell wie seit fünf Jahren nicht mehr.
Der rasante Ausbau der KI-Infrastruktur belastet allerdings zunehmend den Mittelzufluss. Allein im dritten Quartal investierte Alphabet 51,4 Milliarden US-Dollar, nachdem es ein Jahr zuvor noch 24 Milliarden US-Dollar gewesen waren. Seit Jahresbeginn summieren sich die Investitionsausgaben damit auf 132 Milliarden US-Dollar. An seiner Prognose für das Gesamtjahr hält der Konzern fest und rechnet weiterhin mit Investitionen zwischen 195 und 205 Milliarden US-Dollar. Das entspricht weitgehend der durchschnittlichen Analystenerwartung von 202,21 Milliarden US-Dollar.
Besonders deutlich zeigen sich die finanziellen Folgen beim freien Cashflow, der mit minus 9,1 Milliarden US-Dollar in den negativen Bereich rutschte. Dazu trugen unter anderem die hohen Infrastrukturinvestitionen, der Aufbau von Lagerbeständen bei den hauseigenen KI-Beschleunigern (TPUs) sowie eine Geldbuße der Europäischen Union bei. Zudem bezifferte Alphabet seine künftigen Abnahme- und Kaufverpflichtungen auf 924 Milliarden US-Dollar. Diese Größenordnung verdeutlicht, welche finanziellen Verpflichtungen der Konzern beim Ausbau seiner KI-Infrastruktur bereits eingegangen ist.
Für Anleger ergibt sich damit ein zunehmend zwiespältiges Bild. Auf der einen Seite stehen das beschleunigte Wachstum von Google Cloud und die steigende Nutzung der KI-Angebote. Auf der anderen Seite belasten höhere Infrastrukturkosten, umfangreiche künftige Verpflichtungen und schwankende Erträge aus Finanzanlagen die Bilanz der Geschäftsentwicklung. Der deutliche Kursrückgang zeigt, dass eine starke Nachfrage allein nicht mehr ausreicht, um Investoren zu überzeugen. Sie wollen zunehmend konkrete Belege dafür sehen, dass sich Alphabets milliardenschwere KI-Investitionen langfristig in nachhaltig steigende Gewinne und einen positiven freien Cashflow übersetzen lassen.