Unter der Oberfläche haben Schwächesignale den jüngsten Anstieg von Bitcoin (BTC) in Richtung 82.000 US-Dollar gebremst, da zunehmende Gewinnmitnahmen die neue Nachfrage übertrafen. Das geht aus einem Bericht des Analysehauses Glassnode vom Mittwoch hervor.
Der Vermögenswert eroberte kurzzeitig den sogenannten „True Market Mean“ bei 78.300 US-Dollar zurück. Trotz dieser Erholung sieht Glassnode darin noch keine Bestätigung für eine grundlegende Trendwende am Markt.
„Die Rückeroberung dieses Niveaus ist eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für einen strukturellen Wandel“, heißt es in dem Bericht.
Das Unternehmen ergänzte, dass frühere Marktzyklen eine längere Konsolidierungsphase oberhalb des True Market Mean erforderten, bevor eine echte Aufwärtsphase einsetzen konnte. Ohne eine solche Entwicklung könnte die jüngste Erholung eher früheren Gegenbewegungen in Bärenmärkten ähneln als dem Beginn eines nachhaltigen Aufwärtstrends.
„Üblicherweise erfordern Vorphasen eines Bullenmarktes Wochen bis Monate einer anhaltenden Konsolidierung um dieses Modell, bevor ein glaubwürdiger Regimewechsel bestätigt werden kann“, heißt es weiter.
Auffällig ist zudem das Verhältnis von Gewinnen zu Verlusten, das in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen ist. Der 30-Tage-Durchschnitt erhöhte sich von 0,4 im Februar auf 1,8 in der vergangenen Woche, was auf verstärkte Gewinnmitnahmen hindeutet.
Laut Glassnode zeigt die fehlende Fähigkeit des Marktes, trotz zunehmender Gewinnmitnahmen Dynamik zu halten, dass sich die Nachfrage nicht ausreichend erholt hat, um den Verkaufsdruck aufzufangen.
„Eine tiefere Korrektur vom aktuellen Niveau würde die jüngste Erholung daher als lokales Hoch innerhalb des laufenden Bärenmarktes einordnen“, so das Unternehmen.
On-Chain-Daten zeigen zudem, dass Investoren, die während der jüngsten Rally eingestiegen sind, einen durchschnittlichen Einstandspreis von 78.200 US-Dollar haben. Da Bitcoin inzwischen wieder unter dieses Niveau gefallen ist, liegen diese Positionen nun im Minus, wodurch eine frühere Unterstützungszone zu einem potenziellen Widerstand wird.
Der durchschnittliche Einstandspreis von Investoren, die zwischen Februar und April gekauft haben, liegt bei 71.400 US-Dollar. Dieses Niveau gilt nun als wichtige Unterstützungszone, da Anleger dort noch im Gewinn sind und ihre Positionen verteidigen könnten.
Die Aktivität am Spotmarkt signalisiert weiterhin eine schwache zugrunde liegende Nachfrage, da der Verkaufsdruck an den Börsen hoch bleibt.
Der Bericht verweist zudem auf eine fragile Marktstruktur, die stärker von gehebelten Positionen als von organischer Nachfrage geprägt ist. „Der Markt weist weiterhin erhöhte Long-Positionen auf, obwohl die Spot-Nachfrage nachlässt.“
Nach Einschätzung von Glassnode befindet sich der Markt damit in einem empfindlichen Gleichgewicht. Eine stärkere Nachfrage wäre nötig, um die anhaltenden Gewinnmitnahmen aufzufangen und die Erholung von Bitcoin zu stützen – andernfalls droht ein erneuter Rücksetzer.
Zum Zeitpunkt der Erstellung wurde Bitcoin bei 77.900 US-Dollar gehandelt, ein Plus von 1,5 Prozent innerhalb der vergangenen 24 Stunden.