Der Analyst Volkmar Baur von der Commerzbank nimmt den südafrikanischen Rand (ZAR) unter die Lupe, nachdem dessen Aufwertung gegenüber dem US-Dollar durch den Konflikt mit dem Iran ins Stocken geraten ist. Er verweist auf verschlechterte Handelsbedingungen, eine Inflation oberhalb des neuen Zielwerts der südafrikanischen Notenbank (SARB) sowie die überraschende Entscheidung im Juli, den Leitzins unverändert zu lassen. Baur skizziert mehrere Szenarien für den Rand und betont, dass selbst in einem günstigen Umfeld eine Erholung nur schrittweise verlaufen dürfte.
„Wir halten die Entscheidung vom Juli, den Leitzins nicht anzuheben, für einen Fehler. Sie signalisiert dem Markt, dass der Inflationstrend und die damit verbundenen Risiken nicht ernst genug genommen werden. Deshalb erwarten wir, dass der Devisenmarkt in den kommenden Wochen einen Risikoaufschlag verlangen wird, was den Rand belasten dürfte.“
„Derzeit sehen wir drei mögliche Szenarien. Erstens könnte sich zeigen, dass die Zentralbank richtig lag und die Inflation trotz des anhaltenden Konflikts und hoher Ölpreise nicht weiter steigt. In diesem Fall dürfte sich der Rand schon bald erholen.“
„Zweitens könnte der Konflikt mit dem Iran zeitnah enden und der Ölpreis wieder sinken. Dann würde der Rand von den geopolitischen Entwicklungen profitieren. Ein Risikoaufschlag bliebe jedoch bestehen, da die Glaubwürdigkeit der SARB weiterhin beschädigt wäre.“
„Drittens könnte der Konflikt mit dem Iran weiter schwelen, die Ölpreise hoch bleiben und die SARB ihren Kurs ändern. Hohe Energiepreise würden den Rand in diesem Fall zwar weiterhin belasten, zugleich hätte die Zentralbank die Möglichkeit, das Vertrauen der Märkte nach und nach zurückzugewinnen. Vertrauen wird tropfenweise aufgebaut und eimerweise verspielt.“
„Eine weitere Möglichkeit ist natürlich, dass die SARB trotz anhaltenden Inflationsdrucks auf weitere Zinserhöhungen verzichtet. Wir halten dieses Szenario zwar für sehr unwahrscheinlich, es würde den Rand jedoch erheblich unter Druck setzen. Selbst in den günstigeren Szenarien zwei und drei dürfte eine Erholung der südafrikanischen Währung allerdings Zeit benötigen.“