Das Paar EUR/USD verliert am frühen Freitagmorgen im europäischen Handel an Dynamik und nähert sich der Marke von 1,1635. Gemischte Signale rund um das Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran bleiben der Haupttreiber der Volatilität. Die Händler werden später am Freitag die vorläufigen Inflationszahlen aus Deutschland im Blick behalten.
Das Weiße Haus bestätigte, dass die USA und der Iran eine Vereinbarung über ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Verlängerung des Waffenstillstands um 60 Tage getroffen haben, um formelle Verhandlungen zu ermöglichen, doch US-Präsident Donald Trump hat seine Zustimmung noch nicht erteilt. Der US-Vizepräsident JD Vance erklärte am Freitag, dass die USA und der Iran noch mehrere strittige Punkte klären müssen, bevor eine Einigung über den Krieg erzielt werden kann.
Die Händler werden die Entwicklungen im Nahostkonflikt genau beobachten. Jegliche Anzeichen steigender Spannungen zwischen den USA und dem Iran könnten den Euro (EUR) gegenüber dem US-Dollar (USD) belasten. Andererseits könnte ein Fortschritt beim Friedensabkommen kurzfristig risikoreichere Anlagen wie die Gemeinschaftswährung stützen.
Hawkische Äußerungen von Entscheidungsträgern der Europäischen Zentralbank (EZB) könnten den EUR beflügeln. EZB-Ratsmitglied Isabel Schnabel erklärte, dass die Zentralbank die Zinsen im Juni anheben sollte, selbst wenn die laufenden Friedensgespräche mit dem Iran zu einem Abkommen führen, da der Konflikt viel länger andauert als erwartet und hohe Energiepreise sich auf die Gesamtwirtschaft auswirken.
Die Finanzmärkte haben zwei Zinserhöhungen beim 2%-Einlagenzins der EZB vollständig eingepreist und sehen eine fast 50%ige Wahrscheinlichkeit für eine dritte Erhöhung im nächsten Jahr. Ökonomen sind vorsichtiger und erwarten nur zwei Zinserhöhungen, gefolgt von einer Senkung Mitte 2027, wie eine Reuters-Umfrage zeigte.
Der Euro ist die Währung der 19 Länder der Europäischen Union, die zur Eurozone gehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 machte er 31 % aller Devisentransaktionen aus, mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar pro Tag. Der EUR/USD ist das am meisten gehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus. Es folgen der EUR/JPY mit 4 %, der EUR/GBP mit 3 % und der EUR/AUD mit 2 %.
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Deutschland, ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität, was entweder die Kontrolle der Inflation oder die Förderung des Wachstums bedeutet. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinssätze oder die Erwartung höherer Zinssätze stärken in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft geldpolitische Entscheidungen in acht Sitzungen pro Jahr. Diese werden von den Leitern der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde, getroffen.
Die Inflation in der Eurozone, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist ein entscheidender Faktor für den Euro. Übertrifft die Inflation die Erwartungen und das Ziel von 2 % der Europäischen Zentralbank (EZB), wird die EZB wahrscheinlich die Zinsen anheben müssen, um die Preisstabilität zu sichern. Höhere Zinsen im Vergleich zu anderen Währungsräumen machen den Euro attraktiver für globale Investoren und stärken somit die Währung.
Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten beeinflussen die Gesundheit der Wirtschaft und somit den Euro. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), Einkaufsmanagerindizes (PMI), Beschäftigungszahlen und Konsumentenstimmung geben Hinweise auf die Entwicklung der gemeinsamen Währung. Eine starke Wirtschaft stützt den Euro, da sie ausländische Investitionen anzieht und möglicherweise die Europäische Zentralbank (EZB) zu Zinserhöhungen bewegt. Schwache Daten hingegen lassen den Euro oft fallen. Besonders relevant sind hierbei die Daten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien –, die rund 75 % der Eurozonen-Wirtschaft ausmachen.
Ein entscheidender Faktor für den Euro ist die Handelsbilanz, die den Unterschied zwischen den Einnahmen aus Exporten und den Ausgaben für Importe eines Landes über einen bestimmten Zeitraum misst. Wenn ein Land gefragte Exportgüter herstellt, erhöht sich die Nachfrage nach seiner Währung, da ausländische Käufer diese Waren erwerben wollen. Eine positive Handelsbilanz stärkt somit den Euro, während ein Handelsdefizit die Währung unter Druck setzen kann.