BNY-Analyst Geoff Yu verweist auf starke Kapitalzuflüsse in Lebensmittelproduzenten aus Schwellenländern. Hintergrund seien Lieferstörungen durch die Straße von Hormus sowie steigende Kosten für Dünger und Energie, die Lebensmittelpreise zunehmend in den Fokus der Wirtschaftspolitik rückten. Australien, Brasilien und Argentinien dürften über ihre Rohstoffexporte profitieren. Allerdings warnt BNY, dass staatliche Eingriffe und Preisobergrenzen das Margenwachstum bei Basiskonsumgütern begrenzen könnten.
„Selbst wenn eine Einigung erzielt wird – und die Straße von Hormus wieder geöffnet wird –, werden bestimmte Lieferprobleme die globale Gesamtinflation bis zum Jahresende weiter beeinflussen. Die Auswirkungen auf Wirtschaftspolitik und Vermögensallokation sind erheblich.“
„Lebensmittelpreise rücken schnell stärker in den Fokus: Nach Angaben des Center for Strategic and International Studies wurden vor dem Konflikt 20 bis 30 Prozent der weltweiten Düngemittelexporte über die Straße von Hormus transportiert. Die Region produziert zudem erhebliche Mengen an Energie-Nebenprodukten, die andernorts für die Düngemittelherstellung benötigt werden und ebenfalls durch die Straße von Hormus transportiert werden.“
„Auch Klimabelastungen in den kommenden Monaten dürften die Kosten der Lebensmittelproduktion erhöhen – mit entsprechenden Folgen für Angebot und Endpreise. Bei ihrer Zinserhöhung im vergangenen Monat erklärte die philippinische Zentralbank, dass ‚höhere globale Öl- und Düngemittelpreise inzwischen auf die inländischen Kraftstoff- und Lebensmittelpreise durchschlagen‘. Ähnliche Aussagen erwarten wir in weiteren Schwellenländern, in denen die Unsicherheit bei der Lebensmittelversorgung stärker ausgeprägt ist.“
„Der Konflikt hat bislang vor allem positive Handelsbedingungen für geografisch nicht direkt betroffene Energieexporteure geschaffen. Wir erwarten jedoch, dass sich auch Agrarrohstoffe und sogenannte Soft Commodities zunehmend positiv entwickeln werden. In Volkswirtschaften wie Australien und Brasilien, deren Exportstruktur beide Bereiche umfasst, dürften Industrie- und Energierohstoffe den Großteil der Anpassung tragen.“
„Sollte die globale Inflation weiter anziehen, dürfte der Sektor der Basiskonsumgüter defensiv profitieren. Allerdings ist das Risiko staatlicher Eingriffe hoch – etwa mit Blick auf die jüngste britische Initiative, Supermärkte zu freiwilligen Preisobergrenzen zu bewegen. Von einer Ausweitung der Gewinnmargen sollte daher nicht automatisch ausgegangen werden.“