Die Analysten Andrzej Szczepaniak, Josie Anderson, George Buckley und David Seif von Nomura gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank die jüngsten, durch Energiepreise ausgelösten Marktbewegungen weitgehend ausblenden und ihren Fokus weiterhin auf die Inflationsprognose am Ende ihres Projektionshorizonts legen wird. Höhere Öl- und Gaspreise dürften zwar die Inflationsaussichten im Euroraum anheben, dennoch erwarten die Experten bis 2027 unveränderte EZB-Leitzinsen. Zinserhöhungen sehen sie erst im Jahr 2028.
„Wir erwarten, dass die EZB die jüngsten Marktbewegungen so weit wie möglich ausblendet und sich stattdessen weiterhin auf ihre HICP-Inflationsprognose am Ende des Projektionshorizonts konzentriert, um ihre geldpolitischen Entscheidungen zu steuern. Der Anstieg der Preise für Rohöl und Erdgas wird zwar das Inflationsprofil der HICP-Prognose der EZB anheben, allerdings wird die im Januar niedriger als von der EZB erwartete HICP-Inflation diesen Effekt teilweise ausgleichen.“
„Wir glauben, dass die jüngsten Marktbewegungen bislang ausreichend begrenzt geblieben sind, sodass die EZB kurzfristig keine überstürzten Maßnahmen ergreifen dürfte. Zur Erinnerung: Die EZB hatte im Dezember prognostiziert, dass die HICP-Inflation im Euroraum von dem dritten Quartal 2026 bis zum vierten Quartal 2027 unter ihrem Zielwert liegen würde.“
„Das unmittelbare Risiko aus dem Konflikt zwischen den USA und Israel mit Iran sowie den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Preise für Rohöl und Erdgas besteht darin, dass die HICP-Inflation im Euroraum höher ausfällt und die EZB die Zinsen früher anheben muss, als wir derzeit erwarten. Dennoch halten wir an unserer Einschätzung fest, dass die EZB die Zinsen in diesem und im kommenden Jahr unverändert lassen kann und sie erst 2028 anheben muss, um sicherzustellen, dass die HICP-Inflation 2028 in der Nähe des Zielwerts bleibt.“
„Entscheidend für die Weitergabe der jüngsten Preisbewegungen bei Rohöl und Erdgas an die HICP-Inflation und damit für die EZB wird sein, in welchem Ausmaß diese Preisanstiege dauerhaft sind sowie ob die Rally weiter anhält oder sich sogar verstärkt. An den Inflationsmärkten im Euroraum ist bereits ein Teil der Bewegung wieder zurückgenommen worden, was darauf hindeutet, dass einige der anfänglichen reflexartigen Sorgen wieder nachgelassen haben.“