Die Commerzbank-Devisenexpertin Antje Praefcke sieht die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten zunehmend als Belastung für den Euro gegenüber dem US-Dollar. Hintergrund sei die starke Abhängigkeit Europas von Energieimporten sowie das bereits schwache Wirtschaftswachstum. Steigende Ölpreise könnten das Wachstum in der Eurozone zusätzlich bremsen und die Europäische Zentralbank vor schwierige geldpolitische Entscheidungen stellen. Solange der Konflikt andauere, bleibe der EUR/USD tendenziell unter Druck.
„Europa ist stark von Energieimporten abhängig. Das bedeutet, dass die Wirtschaft unter einem länger anhaltenden Anstieg der Energiepreise leiden könnte. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Wachstum ohnehin bereits eher schwach ist.“
„In Kombination mit hohen Energiepreisen, die zu steigenden Inflationsraten führen, wäre das eine äußerst ungünstige Mischung für die EZB. Sie könnte in eine Zwickmühle geraten, in der sie auf einen starken und länger anhaltenden Preisanstieg reagieren müsste und möglicherweise sogar Zinserhöhungen in Betracht ziehen müsste (nach der gestrigen positiven Überraschung bei den Inflationsdaten für Februar sieht der Markt bereits eine gewisse – wenn auch geringe – Wahrscheinlichkeit dafür).“
„Infolgedessen dürfte der Markt geopolitische Unsicherheit für den Euro deutlich negativer bewerten als für den Dollar.“
„Fundamentale Daten, wie die erstklassigen US-Konjunkturdaten dieser Woche (heute der ADP-Index, am Freitag die NFP), oder auch Sorgen über die Unabhängigkeit der Fed bleiben wichtige Themen. Sie werden jedoch vom Krieg im Nahen Osten überschattet.“
„Solange dieser im Fokus bleibt, dürfte der Euro aus den genannten Gründen auf der Verliererseite stehen. Und je länger der Konflikt andauert, desto größer werden aus meiner Sicht die Risiken für den Euro.“