Der KI-Boom könnte den Goldpreis antreiben – und Tech-Aktien unter Druck setzen

Quelle Fxstreet

Der Boom rund um künstliche Intelligenz gilt für viele Investoren als der wichtigste Wachstumstreiber der kommenden Jahre. Nvidia, Microsoft, Amazon und andere Tech-Aktien stehen im Zentrum dieser Entwicklung und haben den Aktienmarkt in den letzten Jahren massiv nach oben gezogen. Doch genau dieser KI-Boom könnte laut Analysten von BCA Research ein Problem für die großen Tech-Konzerne werden.

Die Strategen um Peter Berezin warnen nämlich vor einer Entwicklung, die viele Anleger derzeit komplett ausblenden: Künstliche Intelligenz könnte die bisherigen „Monopolstrukturen“ vieler Tech-Aktien untergraben. Und genau diese Monopolstrukturen waren bislang der Schlüssel zu den außergewöhnlich hohen Gewinnen im Technologiesektor.

Wenn sich diese These bewahrheitet, könnte das nicht nur den Technologiesektor verändern – sondern auch eine massive Rotation am Kapitalmarkt auslösen. Eine Rotation, von der klassische Sachwerte wie Gold profitieren könnten. Der Goldpreis könnte dadurch neuen Rückenwind erhalten.

KI bedroht die Profitmaschinen der großen Tech-Aktien

Viele der erfolgreichsten Tech-Aktien der letzten Jahrzehnte basieren auf drei zentralen Vorteilen: Skaleneffekten, Netzwerkeffekten und proprietärer Technologie. Diese Faktoren sorgten dafür, dass Unternehmen wie Microsoft oder Amazon ihre Dominanz immer weiter ausbauen konnten.

Doch genau hier setzt die Warnung von BCA Research an. Künstliche Intelligenz könnte diese Vorteile teilweise zerstören.

Der Grund ist einfach: KI könnte gleichzeitig die Kosten für Unternehmen erhöhen und ihre Preissetzungsmacht schwächen.

Einerseits steigen die variablen Kosten für Infrastruktur massiv an. Andererseits könnten viele Softwarelösungen durch KI-Tools austauschbarer werden. Wenn Software leichter zu entwickeln und zu ersetzen ist, wird es für Unternehmen deutlich schwieriger, dauerhaft hohe Preise zu verlangen.

Für viele Tech-Aktien wäre das ein gefährlicher Mix.

Tech-Giganten investieren Hunderte Milliarden in KI

Besonders betroffen sind die sogenannten Hyperscaler – also die größten Tech-Konzerne der Welt. Dazu gehören unter anderem Amazon und Microsoft.

Diese Unternehmen investieren derzeit enorme Summen in die Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Laut BCA Research sollen die Ausgaben der großen Tech-Konzerne im Jahr 2026 rund 670 Milliarden US-Dollar erreichen.

Zum Vergleich: 2024 lagen diese Investitionen noch bei rund 240 Milliarden US-Dollar. 2025 stiegen sie bereits auf etwa 410 Milliarden US-Dollar.

Diese Entwicklung sorgt zunehmend für Unruhe unter Investoren. Denn viele Tech-Aktien wurden in den vergangenen Jahren als sogenannte „Capital-Light-Modelle“ bewertet. Das bedeutet: hohe Gewinne bei relativ niedrigen Investitionskosten.

Doch mit dem KI-Boom könnte sich dieses Bild drastisch verändern. Wenn die Tech-Giganten immer mehr Kapital in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur investieren müssen, verwandeln sich diese Geschäftsmodelle plötzlich in „Capital-Heavy-Modelle“.

Und genau das könnte die Bewertung vieler Tech-Aktien unter Druck setzen.

Software-Aktien geraten plötzlich ins Wanken

Auch der Softwaresektor steht zunehmend unter Druck. Viele Investoren befürchten, dass Unternehmen künftig verstärkt auf KI-gestützte Programmier-Tools setzen könnten, anstatt klassische Softwarelösungen von Software-as-a-Service-Anbietern zu kaufen.

Wenn künstliche Intelligenz selbst Code schreiben und Anwendungen erstellen kann, könnte ein Teil der bisherigen Softwarelandschaft überflüssig werden.

Das würde nicht bedeuten, dass Software verschwindet. Aber es würde bedeuten, dass Preisdruck entsteht. Und genau dieser Preisdruck könnte sich langfristig in sinkenden Margen vieler Software-Unternehmen niederschlagen.

Für Tech-Aktien mit sehr hohen Bewertungen wäre das ein ernstes Risiko.

Auch Social-Media-Konzerne könnten unter Druck geraten

Doch die Veränderungen könnten noch weiter gehen.

Berezin warnt, dass künstliche Intelligenz sogar das Geschäftsmodell vieler Social-Media-Plattformen verändern könnte.

Bisher funktionieren Plattformen wie Instagram nach einem sogenannten „Hub-and-Spoke-Modell“. Nutzer gehen aktiv auf die Plattform, um Inhalte zu entdecken, Nachrichten zu lesen oder Trends zu verfolgen.

Doch KI könnte diese Struktur aufbrechen. Statt selbst durch soziale Netzwerke zu scrollen, könnten Nutzer künftig einfach einen KI-Agenten fragen: „Was gibt es Neues?“ oder „Zeig mir die interessantesten Inhalte.“

Der KI-Agent würde die Informationen dann aus verschiedenen Quellen sammeln. Die Folge: Plattformen könnten von zentralen Anlaufstellen zu bloßen Inhaltsarchiven werden. Und genau das könnte die Macht vieler Social-Media-Konzerne deutlich schwächen.

Open-Source-KI macht Monopole schwieriger

Ein weiterer Punkt, den die Analysten hervorheben: Immer mehr KI-Werkzeuge werden als Open-Source-Software entwickelt.

Das bedeutet, dass viele Unternehmen Zugriff auf leistungsfähige Technologien erhalten, ohne selbst Milliarden investieren zu müssen.

Für die großen Tech-Konzerne wird es dadurch schwieriger, langfristig eine monopolartige Stellung aufzubauen.

Wenn viele Unternehmen auf ähnliche Technologien zugreifen können, sinkt die Preissetzungsmacht. Und genau diese Preissetzungsmacht war bislang einer der wichtigsten Treiber für die hohen Gewinne vieler Tech-Aktien.

Die überraschenden Gewinner der KI-Revolution

Wenn Tech-Aktien unter Druck geraten – wer profitiert dann? Die Analysten von BCA Research sehen die größten Gewinner der KI-Revolution nicht unbedingt im Technologiesektor selbst.

Stattdessen könnten jene profitieren, die über knappe Produktionsfaktoren verfügen. Dazu zählen vor allem Land und natürliche Ressourcen. Und genau hier kommt ein klassischer Gewinner ins Spiel: Gold.

Gold gilt seit Jahrhunderten als knapper Rohstoff und sicherer Wertspeicher. Wenn Investoren beginnen, Kapital aus hoch bewerteten Tech-Aktien abzuziehen, könnte ein Teil dieses Geldes in Sachwerte fließen. Das würde dem Goldpreis zusätzlichen Rückenwind geben.

Tech-Aktien dominieren den Aktienmarkt

Ein weiterer Faktor macht diese Entwicklung besonders brisant.

Tech-Aktien haben mittlerweile ein enormes Gewicht im amerikanischen Aktienmarkt. Im S&P 500 stellen sie einen großen Teil der gesamten Marktkapitalisierung.

Gleichzeitig besitzen viele US-Haushalte große Teile ihres Vermögens in Aktien.

Wenn Tech-Aktien also deutlich unter Druck geraten, könnte das auch die gesamte Wirtschaft beeinflussen.

BCA Research warnt deshalb, dass eine Kombination aus fallenden Tech-Aktien und sinkenden Investitionen sogar eine milde Rezession auslösen könnte.

Die entscheidende Börsenstrategie für 2026

Die Analysten betonen jedoch, dass sie weniger auf eine klassische Rezession setzen.

Viel wichtiger könnte ein sogenannter Rotation-Trade sein. Das bedeutet: Kapital wandert von einem Sektor in einen anderen.

Für 2026 sehen die Strategen deshalb mehrere mögliche Entwicklungen: Große Tech-Aktien könnten schwächer laufen. Langfristige Staatsanleihen könnten profitieren. Durchschnittliche Aktien könnten besser abschneiden als die großen Tech-Giganten im S&P 500. Schwellenländer könnten stärker wachsen als viele entwickelte Märkte. Und Rohstoffe könnten wieder stärker in den Fokus rücken.

Besonders Metalle wie Gold und Silber könnten laut den Analysten zu den großen Gewinnern gehören.

Goldpreis könnte vom KI-Boom profitieren

Viele Anleger denken beim Thema künstliche Intelligenz automatisch an Tech-Aktien.

Doch paradoxerweise könnte genau dieser Boom langfristig den Goldpreis antreiben.

Wenn KI die Wettbewerbsvorteile vieler Tech-Konzerne schwächt und Investoren beginnen, Kapital umzuschichten, könnte Gold wieder stärker als Absicherung gefragt sein.

Der Goldpreis würde dann nicht trotz der Technologie-Revolution steigen – sondern gerade wegen ihr.

Für Anleger könnte sich daher eine überraschende Situation ergeben: Während einige Tech-Aktien unter Druck geraten, könnte ausgerechnet ein jahrtausendealter Rohstoff zum Gewinner der KI-Ära werden.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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