Die Sorgen über zunehmende finanzielle Spannungen im russischen Bankensystem, die erstmals im Juni aufgekommen waren, nehmen weiter zu. Im Jahresverlauf hätten Stellungnahmen von Bankenvertretern und dem Wirtschaftsministerium diese Belastungen immer wieder deutlich gemacht, erklärt der Devisenanalyst Tatha Ghose von der Commerzbank.
„Die russische Zentralbank (CBR) hat in den Monaten danach die führende Rolle bei der Analyse und Überwachung dieses Problems übernommen. Sie setzte 13 große Unternehmen, darunter systemrelevante Akteure aus dem Energiesektor, auf ihre Liste gefährdeter Firmen. Die kumulierten Schulden dieser Unternehmen hatten sich bereits auf rund 1,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts belaufen. In ihrem jüngsten Bericht zur Finanzstabilität bekräftigt die CBR diese Einschätzung und weitet den Kreis der betroffenen Unternehmen auf 17 aus. Das Problem verschärft sich offensichtlich.“
„Die CBR weist zudem darauf hin, dass mittlerweile 58,5 Prozent der russischen Unternehmensverschuldung auf Firmen entfallen, die einer erhöhten Zinslast ausgesetzt sind – eine bemerkenswerte Zahl, da die Zentralbank ursprünglich erwartet hatte, dass dieser Anteil erst bis Ende 2025 auf etwa 34 Prozent steigen würde. Diese Schwelle wurde deutlich früher überschritten. Zwar versuchte die CBR, die Nachricht mit dem Hinweis auf eine ausgeweitete Datenbasis abzumildern, die nun 89 der größten nichtfinanziellen Unternehmen umfasst. Der neue Bericht erscheint jedoch auch vor dem Hintergrund wachsender Sorgen über die Verschuldung des großen staatlichen Eisenbahnkonzerns.“
„Insgesamt handelt es sich nicht um eine neue Entwicklung, sondern um die Fortsetzung eines bereits seit Längerem beobachteten Trends. Während ein Friedensabkommen für die Ukraine weiterhin in weiter Ferne liegt, gehen den russischen Entscheidungsträgern die einfachen Mittel aus, um die Realwirtschaft anzukurbeln – etwas, das in den ersten Jahren nach der Verhängung der Sanktionen noch teilweise möglich war. Nun treten die strukturell schwächeren wirtschaftlichen Entwicklungen mit zunehmender Geschwindigkeit zutage. Gleichzeitig bleibt die Inflation zu hoch, als dass die äußerst vorsichtige CBR ihre straffe Geldpolitik aufgeben und die Zinsen deutlich senken könnte, um Unternehmen zu entlasten. Vor dem Hintergrund dieser wachsenden Belastungen erwarten wir, dass die Wechselkurse von USD/RUB und EUR/RUB im Jahr 2026 deutlich über ihre aktuellen Niveaus steigen werden.“