Die Bullen bei Gold (XAU/USD) legen am Donnerstag nach der kräftigen Rallye vom Vortag eine Verschnaufpause ein, ausgelöst durch einen deutlichen Pullback bei den langfristigen Renditen von US-Staatsanleihen. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung notiert XAU/USD bei rund 4.488 USD und damit unter dem Intraday-Hoch von 4.527 USD, dem höchsten Stand seit dem 2. Juni.
Das Edelmetall legte am Mittwoch um mehr als 4% zu, nachdem das US-Finanzministerium angekündigt hatte, seine Liquiditätsstützungs-Rückkäufe für länger laufende Staatsanleihen auszuweiten. Daraufhin fiel die Rendite 30-jähriger Staatsanleihen um rund 9 Basispunkte (bps) auf 5,18%, während die Benchmark-Rendite 10-jähriger Anleihen um etwa 5 bps auf 4,63% sank.
Der US-Dollar-Index (DXY), der den Wert des Greenback gegenüber einem Korb aus sechs wichtigen Währungen abbildet, fiel am Mittwoch unter 99,00, markierte ein Drei-Monats-Tief und gibt auch am Donnerstag weiter nach. Die Kombination aus einem schwächeren US-Dollar und sinkenden Renditen erhöhte die Attraktivität von zinslosem Gold und trieb das Metall auf den höchsten Stand seit mehr als zwei Monaten.
Der Schritt des Finanzministeriums verschaffte dem Anleihemarkt etwas Entlastung, nachdem die Rendite 30-jähriger Anleihen Anfang dieser Woche über 5,30% gestiegen war, dem höchsten Stand seit 2007. Allerdings liegen sowohl die 10-jährigen als auch die 30-jährigen Renditen am Donnerstag rund 3 Basispunkte höher. Die Rückkäufe könnten den Druck kurzfristig mindern, lösen jedoch weder die hohen Haushaltsdefizite noch die umfangreiche Emission von Schuldtiteln oder die anhaltenden Inflationsrisiken, warnen Analysten.
Höhere Energiepreise sind eine weitere Quelle von Inflationssorgen, da die Pattsituation zwischen den USA und dem Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus stark einschränkt. West Texas Intermediate (WTI) Öl notiert bei rund 86,25 USD je Barrel und liegt damit seit Wochenbeginn um etwa 6% im Plus.
US-Präsident Donald Trump kündigte am Mittwoch schärfere wirtschaftliche Maßnahmen gegen den Iran an und warnte vor einem "wirtschaftlichen Konflikt und einer Isolation in beispiellosem Ausmaß."
Anhaltende Inflation war auch ein zentrales Thema im Protokoll der Juli-Sitzung der Federal Reserve (Fed), das am Mittwoch veröffentlicht wurde. Viele Entscheidungsträger kamen zu dem Schluss, dass bei ausbleibendem Inflationsrückgang wahrscheinlich höhere Zinsen erforderlich sein würden, während einige bezweifelten, ob die finanziellen Bedingungen restriktiv genug seien, um die Inflation wieder auf das 2%-Ziel der Fed zu bringen.

Auf dem Tages-Chart behält XAU/USD eine bullische kurzfristige Tendenz bei, da sich die Preise über dem 50-Tage- und dem 100-Tage-Simple Moving Average (SMA) bei 4.164 USD bzw. 4.380 USD halten. Das Metall schwankt nun nahe dem 200-Tage-SMA bei 4.512 USD, nachdem es kurzzeitig darüber gestiegen war.
Der Relative Strength Index (RSI) liegt nahe 65, während das Histogramm des Moving Average Convergence Divergence (MACD) positiv bleibt, was auf ein solides Aufwärtsmomentum hindeutet.
Ein täglicher Schlusskurs über dem 200-Tage-SMA könnte den Weg in Richtung des horizontalen Widerstands bei 4.650 USD öffnen. Auf der Unterseite bietet der 100-Tage-SMA bei 4.380 USD die erste Unterstützung, gefolgt vom 50-Tage-SMA bei 4.164 USD und der psychologischen Marke von 4.000 USD.
(Die technische Analyse dieser Nachricht wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.