Oracle-Aktienprognose: 18-Milliarden-Dollar-Kredit für Rechenzentren stark abgezinst, wird ORCL weiter fallen?

Quelle Tradingkey

TradingKey – Das von Oracle (ORCL) angemietete Rechenzentrum „Project Jupiter“ in New Mexico steht unter neuem Finanzierungsdruck. Die Platzierung eines mit dem Projekt verbundenen Konsortialkredits über rund 18 Milliarden US-Dollar ist ins Stocken geraten, was die zunehmenden Sorgen der Anleger hinsichtlich des Projektfortschritts, der Finanzierungskosten und des Kreditprofils von Oracle widerspiegelt.

Laut der Financial Times bieten Konsortialbanken wie Santander und Jefferies derzeit in privaten Preisindikationen nur 89 bis 91 Cent pro Dollar für den Kredit an, was einem Marktwert von etwa 16 bis 16,4 Milliarden US-Dollar entspricht. Verglichen mit soliden Schuldtiteln, die gewöhnlich nahe dem Nennwert gehandelt werden, deutet ein so hoher Abschlag darauf hin, dass Anleger eine höhere Risikokompensation verlangen.

Zur Klarstellung: Dieser Kredit ist an das von Oracle angemietete Rechenzentrum „Project Jupiter“ gebunden und stellt eine Projektfinanzierung dar, was nicht mit direkt von Oracle begebenen Unternehmensanleihen im Wert von 18 Milliarden US-Dollar gleichzusetzen ist. Da Oracle jedoch der Hauptmieter des Projekts ist, wird die ins Stocken geratene Kreditplatzierung die Sorgen des Marktes hinsichtlich seiner Mietverpflichtungen, Investitionsausgaben und seines Bonitätsrisikos dennoch verschärfen.

Kreditabschläge offenbaren Oracles Finanzierungsdruck bei der KI-Expansion

Das im Doña Ana County im US-Bundesstaat New Mexico gelegene Projekt Jupiter erstreckt sich über rund 1.400 Acre und dient Oracle als Schlüsselinfrastruktur zur Bereitstellung von KI-Rechenleistung für OpenAI. Zudem ist es eng mit dem Projekt „Stargate“ verbunden, das von OpenAI, SoftBank und Oracle gemeinsam verfolgt wird. Ende letzten Jahres sicherte sich das Projekt konsortialisierte Kredite in Höhe von rund 18 Milliarden US-Dollar und gewann Blue Owl für die Bereitstellung von Eigenkapital in Milliardenhöhe.

Ursprünglich hatten die Banken geplant, die Kredite an institutionelle Anleger weiterzuverkaufen, um ihre Bilanzen zu entlasten. Wachsende Bedenken am Markt hinsichtlich des Projektfortschritts, der Bonität von Oracle und der Zahlungsfähigkeit von OpenAI haben die Platzierung der Kredite jedoch ins Stocken gebracht, sodass den beteiligten Banken größere Risikopositionen verbleiben als ursprünglich geplant.

Dass die Kreditnotierungen auf 89 bis 91 Cent gefallen sind, bedeutet nicht, dass das Projekt ausgefallen ist, zeigt jedoch, dass die Kreditmärkte dessen Risiko neu bewerten. Sollten die Banken die Platzierung langfristig nicht abschließen können, müssten ähnliche zukünftige Projekte möglicherweise höhere Zinsen zahlen, mehr Sicherheiten stellen oder größere Eigenkapitalpolster einbringen. Entsprechend könnten auch die Kapitalkosten für Oracle beim weiteren Ausbau seiner KI-Rechenzentren steigen.

Solche Bedenken kommen nicht von ungefähr.

S&P Global Ratings stufte die langfristige Bonitätsnote von Oracle im Juli von BBB auf BBB- herab, sodass sie nur noch eine Stufe über dem Non-Investment-Grade liegt. Die Ratingagentur merkte an, dass die rasch expandierenden Ausgaben von Oracle für die KI-Infrastruktur und die hohe Abhängigkeit von OpenAI das Kreditprofil des Unternehmens schwächen.

Lokaler Widerstand und OpenAIs Cash-Burn verstärken Unsicherheit

Die Herausforderungen, vor denen das Projekt Jupiter steht, ergeben sich nicht allein aus der Finanzierungsseite.

Ursprünglich war geplant, das Projekt mit 2,2-Gigawatt-Gasturbinen zu betreiben, doch die Landverwaltungsbehörden von New Mexico lehnten den Antrag für den Bau einer Erdgaspipeline ab. Oracle wich daraufhin auf die Brennstoffzellenlösung von Bloom Energy aus; die dazugehörige Brennstoffversorgung sowie die Emissionsgenehmigungen gerieten jedoch unter ähnlich strenge Prüfung.

Anwohner und Umweltschutzgruppen befürchten, dass Großrechenzentren die Wasserressourcen, die Luftqualität und die Stromversorgung beeinträchtigen könnten. Die Emissionsgenehmigungen für das Projekt wurden aufgrund von Rechtsstreitigkeiten vorübergehend ausgesetzt. Obwohl das Gericht das Genehmigungsverfahren später fortsetzen ließ, ist der Zeitplan für den Bau bereits beeinträchtigt. Das Marktforschungsunternehmen SynMax schätzt, dass sich der Fortschritt in der Frühphase des Projekts gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan um mindestens sieben Monate verzögert hat.

Zudem steigen die politischen Risiken. Deb Haaland, Kandidatin für das Gouverneursamt in New Mexico, erklärte, dass sie im Falle ihrer Wahl die Genehmigungen für neue Großrechenzentren vorübergehend stoppen und Projektentwickler dazu verpflichten würde, die Investitionen in erneuerbare Energien zu erhöhen. Lokale Umfragen zeigen, dass die Anwohner, die den Bau von Großrechenzentren ablehnen, die Befürworter deutlich übertreffen. Selbst wenn bestehende Projekte nicht direkt abgesagt werden, könnten langsamere Genehmigungsverfahren und zusätzliche Umweltauflagen die Baukosten in die Höhe treiben.

Ein größeres Problem liegt in der Frage, ob OpenAI seine gewaltigen Verpflichtungen zur Beschaffung von Rechenleistung langfristig aufrechterhalten kann. Laut internen Prognosen, die von der Financial Times zitiert wurden, rechnet OpenAI von 2026 bis 2030 mit einem kumulierten negativen freien Cashflow von rund 278 Milliarden US-Dollar, wobei die Ausgaben für Rechenleistung und Infrastruktur 856 Milliarden US-Dollar erreichen könnten. Obwohl das Unternehmen erwartet, dass der Umsatz von 36 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 350 Milliarden US-Dollar im Jahr 2030 steigen wird, bleibt sein Finanzierungsbedarf immens.

Das bedeutet nicht, dass OpenAI seine Verträge mit Oracle nicht erfüllen kann, wohl aber, dass die Risiken beider Parteien eng miteinander verflochten sind. Läuft die Finanzierung von OpenAI weiterhin reibungslos, dürfte sich der Auftragsbestand von Oracle allmählich in Cloud-Umsätze verwandeln. Sollte es jedoch zu Veränderungen bei der Finanzierung, der Produktkommerzialisierung oder dem Tempo der KI-Entwicklung von OpenAI kommen, müsste Oracle möglicherweise dennoch enorme Leasing- und Infrastrukturverpflichtungen für Rechenzentren tragen.

Technische Analyse der Oracle-Aktie

ORCL_2026-09-20-1f50e4fee8434b76b9b1b21504d0d654

Quelle: TradingView

Aus charttechnischer Sicht gab ORCL zuletzt um 1,98 % nach und schloss bei 147,61 US-Dollar, nachdem der Kurs zwischenzeitlich auf ein Intraday-Tief von 144,40 US-Dollar abgerutscht war, womit sich der kurzfristige Verkaufsdruck verstärkte.

Der Aktienkurs hat derzeit den gleitenden 20-Tage-Durchschnitt bei 149,41 US-Dollar nach unten durchbrochen und nähert sich wieder einer kurzfristigen Aufwärtstrendlinie, was darauf hindeutet, dass die vorherige Erholung vom Tief bei 114,52 US-Dollar an Schwung verliert. Allerdings liegt der 20-Tage-Durchschnitt weiterhin über dem 60-Tage-Durchschnitt von 141,64 US-Dollar und der Aktienkurs hat den 60-Tage-Durchschnitt noch nicht unterschritten, sodass die mittelfristige Erholungsstruktur noch nicht vollständig beeinträchtigt ist.

Das 0,382-Fibonacci-Niveau bei rund 149 US-Dollar fällt mit dem 20-Tage-Durchschnitt zusammen und bildet die erste unmittelbare Widerstandszone. ORCL muss die Spanne von 149 bis 150 US-Dollar zurückerobern und darüber verbleiben, um den aktuellen Abwärtsdruck zu mildern. Bei einem weiteren Ausbruch nach oben richtet sich das Augenmerk auf 157,59 US-Dollar. Erst ein erneuter Ausbruch über das vorherige Hoch von 170,89 US-Dollar würde die Wiederaufnahme des mittelfristigen Aufwärtstrends signalisieren.

Hinsichtlich des Momentums ist der 14-Tage-RSI auf 49,64 gefallen und liegt damit unter der neutralen 50er-Marke sowie der Signallinie von 52,64. Dies deutet darauf hin, dass die Bären leicht im Vorteil sind, wenngleich noch kein überverkaufter Bereich erreicht wurde. Daher könnte der Aktienkurs noch tiefere Unterstützungsniveaus testen, während sich bislang kein klares Signal für eine Erholung aus dem überverkauften Bereich zeigt.

Die wichtigste Unterstützung nach unten liegt bei 141,64 bis 142,71 US-Dollar – eine Zone, die gemeinsam vom 60-Tage-Durchschnitt und dem 0,5-Fibonacci-Retracement-Niveau gebildet wird. Kann der Aktienkurs diese Zone behaupten, könnte sich die Konsolidierung zwischen 141 und 150 US-Dollar fortsetzen. Sollte der Tageschart unter hohem Volumen die Marke von 141 US-Dollar nach unten durchbrechen, verschiebt sich die nächste Unterstützung nach unten auf 136,05 US-Dollar, mit einem weiteren Test von 126,59 US-Dollar. Die Marke von 114,52 US-Dollar stellt eine zentrale mittelfristige Verteidigungslinie dieser Erholung dar, die nicht leicht aufgegeben werden sollte.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
placeholder
Klimakiller KI: So plündern Big Techs unsere EnergiereservenInvesting.com – Der immense Stromverbrauch von Blockchains wie Bitcoin und Ethereum stand über viele Jahre hinweg im Fokus und wurde stets damit in Verbindung gebracht, wie umweltschädlich diese Techn
Autor  Investing.com
16.Jul. 2024
Investing.com – Der immense Stromverbrauch von Blockchains wie Bitcoin und Ethereum stand über viele Jahre hinweg im Fokus und wurde stets damit in Verbindung gebracht, wie umweltschädlich diese Techn
placeholder
Goldpreis am Scheideweg: Bullen brauchen jetzt diesen AusbruchDer Goldpreis steht gerade an einem Punkt, an dem Anleger und Trader genauer hinsehen sollten. Nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate ist die Lage plötzlich deutlich weniger eindeutig.
Autor  FXStreet
Fr. 04.Sep
Der Goldpreis steht gerade an einem Punkt, an dem Anleger und Trader genauer hinsehen sollten. Nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate ist die Lage plötzlich deutlich weniger eindeutig.
placeholder
Goldpreis vor Fed-Test – Diesel über 6 Dollar verschärft die LageDer Goldpreis steht vor dem dritten Wochenminus in Folge.
Autor  FXStreet
Mo. 14.Sep
Der Goldpreis steht vor dem dritten Wochenminus in Folge.
placeholder
Bitcoin rutscht unter wichtige Marke - doch der Markt hält standBitcoin (BTC) ist unter seine jüngste Handelsspanne und den True Market Mean bei 76.700 US-Dollar gefallen.
Autor  FXStreet
Do. 17.Sep
Bitcoin (BTC) ist unter seine jüngste Handelsspanne und den True Market Mean bei 76.700 US-Dollar gefallen.
placeholder
Silberpreis-Prognose: XAG/USD steigt auf nahe 66,80 US-Dollar angesichts einer Korrektur bei den Ölpreisen und US-RenditenDer Silberpreis (XAG/USD) baut seine Aufwärtsbewegung am Freitag aus und notiert im europäischen Handel rund 2,26% höher bei etwa 66,80 USD. Das Edelmetall legt aufgrund einer Korrektur bei den Ölpreisen und den Renditen von US-Staatsanleihen zu
Autor  FXStreet
Fr. 18.Sep
Der Silberpreis (XAG/USD) baut seine Aufwärtsbewegung am Freitag aus und notiert im europäischen Handel rund 2,26% höher bei etwa 66,80 USD. Das Edelmetall legt aufgrund einer Korrektur bei den Ölpreisen und den Renditen von US-Staatsanleihen zu
goTop
quote