TradingKey – Der S&P 500 Index schwankte zuletzt weiterhin nahe seinen Rekordhochs. Nach einer rasanten Rally in der ersten Jahreshälfte sind US-Aktien in eine Phase der Neubewertung zwischen hohen Bewertungen und starken Gewinnen eingetreten. Einerseits stützen die KI-Investitionen, das Gewinnwachstum der Tech-Riesen und kontinuierlich die Erwartungen übertreffende Unternehmensgewinne den Index; andererseits begrenzen das Zinsniveau der US-Notenbank Federal Reserve, die Marktbewertungen und geopolitische Risiken das weitere Aufwärtspotenzial.
Die wesentliche Begründung von JPMorgan für die Anhebung ihres Kursziels für den S&P 500 basiert auf einer deutlichen Verbesserung der Gewinnerwartungen der Unternehmen.
Laut Daten von JPMorgan übertrafen unter den 87 % der S&P-500-Mitglieder, die bereits Ergebnisse vorgelegt haben, 78 % der Unternehmen die Markterwartungen. Noch bemerkenswerter ist, dass die Unternehmensgewinne die Erwartungen im Durchschnitt um rund 31 % übertrafen – deutlich mehr als der Durchschnittswert von etwa 9 % in den vergangenen vier Quartalen. Selbst ohne Einmaleffekte lag die durchschnittliche Gewinnüberraschung immer noch bei rund 11 %.
Angetrieben von starken Quartalsergebnissen hob JPMorgan seine EPS-Prognose für den S&P 500 für das Jahr 2026 auf 365 US-Dollar an, was einem Anstieg von rund 35 % gegenüber dem Vorjahr entspricht, und erhöhte die Prognose für 2027 weiter auf 420 US-Dollar mit einem erwarteten Wachstum von 15 % im Jahresvergleich. Zugleich behält die Bank ihre Annahme für das künftige KGV bei rund 20 bei, ohne ihr 8.000-Punkte-Ziel durch eine weitere Anhebung der Bewertungsmultiplikatoren zu stützen.
Goldman Sachs teilt eine ähnliche Einschätzung. Die Bank hatte ihr S&P-500-Ziel für Ende 2026 zuvor von 7.600 auf 8.000 Punkte angehoben und prognostiziert für 2026 einen Gewinn je Aktie im S&P 500 von 340 US-Dollar – ein Plus von 24 % gegenüber dem Vorjahr –, der 2027 weiter auf 385 US-Dollar steigen soll. Goldman Sachs merkte an, dass die Gewinnentwicklung der Unternehmen im ersten Quartal deutlich stärker als erwartet ausfiel, was ein wesentlicher Grund für die Anhebung des Indexziels war.
Eine weitere entscheidende Variable bei der Frage, ob der S&P 500 Index die Marke von 8.000 Punkten durchbrechen kann, liegt im Ertrag der großen Technologiekonzerne aus ihren KI-Investitionen.
In der Vergangenheit lag die größte Sorge des Marktes in den gewaltigen KI-Investitionen der Tech-Riesen. Tech-Giganten wie Microsoft (MSFT), Alphabet (GOOGL), Amazon (AMZN) und Meta (META) investieren jährlich Hunderte Milliarden US-Dollar in den Aufbau von KI-Rechenzentren, doch wann diese Investitionen tatsächlich Umsatz und Gewinn erwirtschaften werden, bleibt ungewiss.
Ein aktueller Bericht von JPMorgan weist darauf hin, dass sich diese Sorgen allmählich zerstreuen. Unter anderem haben Alphabet, Amazon und Microsoft begonnen, eine klare Fähigkeit zur KI-Monetarisierung unter Beweis zu stellen, was sich im Wesentlichen in drei Bereichen widerspiegelt: den Cloud-Wachstumsraten, dem Auftragsbestand und Verbesserungen beim operativen Cashflow.
Noch wichtiger ist, dass JPMorgan beobachtete, dass die Abdeckung des Auftragsbestands im Verhältnis zu den Investitionen bei Hyperscale-Cloud-Anbietern steigt und sich auch das Book-to-Bill-Verhältnis verbessert. Dies bedeutet, dass die Wachstumsrate der KI-bezogenen Nachfrage und Aufträge das Expansionstempo der Investitionen allmählich einholt oder sogar übertrifft.
Für den S&P 500 Index gilt: Wenn die KI-Einnahmen von Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta und Nvidia (NVDA) weiter wachsen, kann das Gewinnwachstum der großen Technologiekonzerne dem Gewinn je Aktie (EPS) des Index selbst dann starken Halt geben, wenn andere Sektoren eine durchschnittliche Wertentwicklung zeigen.

Wochenchart des S&P 500 Index, Quelle: TradingView
Ein Blick auf den Wochenchart des S&P 500 Index zeigt, dass die Gesamtbewegung der Kerzen eine klare Struktur höherer Hochs und höherer Tiefs aufweist, was darauf hindeutet, dass der übergeordnete Trend weiterhin nach oben gerichtet ist. Zugleich zeigt das System der gleitenden Durchschnitte, dass SMA60 und SMA144 eine bullische Ausrichtung beibehalten, was weiter bestätigt, dass der mittel- bis langfristige Trend bullisch bleibt.
Derzeit liegt der wichtigste Widerstand auf der Oberseite bei 7.800 Punkten. Gelingt dem Index ein Ausbruch nach oben und kann er sich nachhaltig über dieser Marke halten, eröffnet sich Aufwärtspotenzial in Richtung der 8.000er-Marke. Bricht er zudem über 8.000 Punkte aus, könnte der Index weiteres Potenzial nach oben in Richtung 8.500 Punkte freisetzen.
Auf der Unterseite liegt die wichtigste zu beachtende Unterstützung bei 7.600 Punkten. Wird diese Marke aufgegeben, könnte der Index in Richtung 7.500 Punkte und weiter bis auf 7.300 Punkte zurücksetzen. Fällt der Index unter 7.300 Punkte, wäre seine kurzfristig bullische Struktur beschädigt und er würde in eine tiefere Korrekturphase eintreten, die nach unten die 7.000er-Marke testen könnte.