Der Goldpreis (XAU/USD) gerät im frühen asiatischen Handel am Freitag unter Verkaufsdruck und fällt auf rund 4.050 USD. Das Edelmetall gibt von einem Zwei-Monats-Hoch nach, da steigende Spannungen im Krieg im Nahen Osten die Ölpreise nach oben treiben und die Wetten darauf verfestigen, dass die US-Notenbank (Fed) bereits nächste Woche die Zinsen wieder anheben wird.
Die von Teheran unterstützte Houthi-Miliz im Jemen erklärte, ihre Kräfte hätten zwei saudische Öltanker im Roten Meer angegriffen, die ihre Blockade saudischer Häfen "verletzt" hätten, während die USA in der 13. aufeinanderfolgenden Nacht Angriffe auf den Iran durchführten. Diese Entwicklung hat die Sorge vor einem breiteren Konflikt im Nahen Osten geschürt.
Darüber hinaus warnte US-Präsident Donald Trump die Houthis am Donnerstag, dass die USA ihnen und dem Iran im Falle eines erneuten Vorgehens "schwere militärische Strafen" zufügen würden. Trump sagte laut Axios außerdem, er erwäge "einen massiven Angriff" auf den Iran. Gegenüber dem Nachrichtenportal erklärte er, dieser werde "größer sein als je zuvor", und fügte hinzu: "Ich bin kurz davor, eine Entscheidung zu treffen. Wir sind dafür bereit."
Eine durch den Iran-Krieg ausgelöste Inflationsangst infolge steigender Rohölpreise erhöht die Wetten auf eine Zinserhöhung der Fed, was den unverzinslichen Vermögenswert wie das gelbe Metall kurzfristig belasten könnte. Die Geldmärkte preisen laut dem FedWatch-Tool der CME derzeit eine Wahrscheinlichkeit von fast 35,8% für eine Zinserhöhung der Fed in diesem Monat sowie eine Wahrscheinlichkeit von 82,1% für mindestens eine Zinserhöhung um einen Viertelpunkt im September ein.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.