Die Ökonomen der Commerzbank, Dr. Jörg Krämer und Bernd Weidensteiner, halten den von Künstlicher Intelligenz (KI) angetriebenen Investitionsboom im US-Hochtechnologie- und IT-Sektor zwar für erheblich, im Vergleich zu früheren Boomphasen jedoch noch nicht für überzogen. Sie sehen erste Anzeichen einer steigenden Produktivität in den USA sowie hohe Aktienbewertungen und Gewinnerwartungen. Zwar warnen sie vor möglichen Kurskorrekturen, gehen aber davon aus, dass der KI-Boom und die damit verbundene Stärke an den Aktienmärkten vorerst anhalten dürften.
„Die Einführung der Künstlichen Intelligenz hat einen Investitionsboom ausgelöst, insbesondere in den Vereinigten Staaten. Das schiere Ausmaß der eingesetzten Mittel erhöht das Risiko einer Blasenbildung. Dies könnte einen Rückschlag an den Aktienmärkten auslösen. Wir haben die Risiken bewertet und sind zu dem Schluss gekommen, dass der Boom vorerst anhalten dürfte.“
„Zudem sind Aktien zwar teuer, ihre Bewertung liegt aber unter dem Niveau auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktien im S&P-500-Index auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden zwölf Monate liegt derzeit bei 20, verglichen mit 25 zu Beginn des Jahres 2000. Deshalb sehen wir die aktuelle Bewertung noch nicht als Anlass zur Sorge.“
„Auch wenn wir dies weder für 2026 noch für 2027 erwarten, endet ein Investitionsboom in der Regel in einer Krise. Wie könnte eine solche aussehen? Die Wirtschaftsgeschichte liefert mit der Dotcom-Blase in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre eine Blaupause.“
„Bislang wurde ein großer Teil dieser Investitionen aus dem Cashflow finanziert. Erst seit Kurzem greifen die Unternehmen verstärkt auf Kredite zurück. Insgesamt ist die Unternehmensverschuldung im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt seit Jahren rückläufig. Ein Ende des KI-Booms dürfte daher kaum eine Bankenkrise auslösen, sondern – ähnlich wie im Jahr 2001 – vor allem zu einem Einbruch der Aktienkurse führen.“