Analysten von ABN AMRO sehen China durch mögliche Störungen bei Öl- und LNG-Lieferungen aus dem Iran zwar exponiert, halten die Risiken jedoch durch hohe Reserven, breit gestreute Importquellen und den Ausbau erneuerbarer Energien für teilweise abgefedert. Zugleich verweisen sie auf diplomatische Bemühungen Pekings, die Lage rund um die Straße von Hormus zu stabilisieren. Steigende Energiepreise könnten zudem den Inflationspfad festigen und die People’s Bank of China vorsichtiger bei weiteren schrittweisen geldpolitischen Lockerungen werden lassen.
„Als weltweit größter Importeur von Öl und LNG ist China anfällig für Störungen bei Förderung und Transport von Energie im Nahen Osten sowie für die damit verbundenen Preissprünge bei Öl und Gas. China importiert 73 Prozent seines Ölbedarfs, und der Anteil der Lieferungen aus dem Nahen Osten wird auf rund 40 Prozent geschätzt, wobei Saudi-Arabien und der Irak die wichtigsten Lieferanten sind. Der Anteil der chinesischen Ölimporte aus dem Iran wird insgesamt auf etwa zehn Prozent geschätzt.“
„Da rund ein Drittel des Öls und etwa ein Viertel des LNG, das durch die Straße von Hormus transportiert wird, für China bestimmt ist, haben chinesische Vertreter wenig überraschend alle Seiten im Iran-Konflikt dazu aufgerufen, die militärischen Operationen umgehend zu reduzieren, eine weitere Eskalation zu vermeiden und die sichere Passage von Schiffen durch die Straße von Hormus zu gewährleisten.“
„Für China gibt es jedoch auch einige dämpfende Faktoren. Das Land hat in Zeiten vergleichsweise niedriger Preise massiv Energiereserven aufgebaut, und die gesamten Ölreserven werden auf etwa 80 Tage Verbrauch geschätzt. Auch die diversifizierte Importbasis hilft, und es dürfte China relativ leicht fallen, die Ölimporte aus Russland zu erhöhen.“
„Darüber hinaus verfügt China über weitere Energiequellen. Der Anteil der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen und lag 2025 bei fast 40 Prozent, nachdem sich China als globaler Vorreiter der Energiewende positioniert hat.“
„Dennoch hat die chinesische Regierung in der vergangenen Woche große Ölraffinerien angewiesen, angesichts des Nahostkonflikts die Exporte von Diesel und Benzin auszusetzen. Zudem würde ein anhaltender Preisschock bei Öl und Gas zweifellos inflationär wirken, auch wenn Chinas Ausgangsniveau bei der Inflation im Vergleich etwa zu den USA oder Europa günstiger ist. Ein stärkerer Inflationspfad dürfte die People’s Bank of China dennoch noch vorsichtiger bei weiteren schrittweisen geldpolitischen Lockerungen werden lassen.“