Der Stratege Nicholas Chia von Standard Chartered erwartet inzwischen, dass die Reserve Bank of Australia (RBA) ihren Leitzins auf der Sitzung am 17. März auf 4,10 Prozent anheben wird. Damit revidiert er seine bisherige Einschätzung, nach der die Notenbank die Zinsen zunächst unverändert lassen würde. Für das zweite Quartal rechnet die Bank weiterhin mit einer weiteren Straffung und hebt ihre Prognose für den Endzinssatz auf 4,35 Prozent an. Ausschlaggebend dafür seien robuste Konjunkturdaten sowie steigende Inflationserwartungen, die eine restriktivere Haltung der RBA begünstigten.
„Die jüngsten Aktivitätsindikatoren bleiben robust, und die Kommunikation der RBA vor Beginn der sogenannten Blackout-Periode war eher restriktiv ausgerichtet.“
„Ausschlaggebend für unsere Neubewertung war jedoch der jüngste Anstieg der Inflationserwartungen, für den die RBA aus unserer Sicht nur eine sehr begrenzte Toleranz hat. Ein Teil davon könnte zwar durch den jüngsten Ölpreisschock ausgelöst worden sein, über den die RBA möglicherweise hinwegsehen würde. Dennoch dürfte die Zentralbank sensibel auf mögliche Anzeichen reagieren, dass sich kurzfristige Inflationserwartungen von ihrem Ziel lösen.“
„Wir erwarten nun, dass die Reserve Bank of Australia (RBA) den Leitzins auf der Sitzung am 17. März auf 4,10 Prozent anhebt, nachdem wir zuvor von einer Zinspause ausgegangen waren. Wir halten eine gespaltene Entscheidung im RBA-Direktorium für wahrscheinlich, da die restriktiver eingestellten Mitglieder eine schnellere Straffung bevorzugen könnten, um die Wirtschaft besser im Gleichgewicht zu halten.“
„Vorläufig halten wir zudem an unserer Einschätzung fest, dass die RBA im zweiten Quartal den Leitzins auf 4,35 Prozent anheben wird (zuvor 4,10 Prozent), wahrscheinlich auf der Sitzung im Mai. Allerdings werden wir genau beobachten, ob sich infolge der strafferen Finanzierungsbedingungen deutliche Anzeichen einer Abschwächung der wirtschaftlichen Aktivität zeigen.“
„Wir räumen ein, dass die Zinsentscheidung der RBA am 17. März wahrscheinlich eine sehr knappe Angelegenheit wird. Das größte Risiko für unsere Einschätzung besteht darin, dass die Notenbank im März doch eine Zinspause einlegt und zunächst weitere Wirtschaftsdaten abwartet, etwa die vierteljährlichen Kerninflationszahlen.“