MSCI erwägt, die Bitcoin-Schwergewichte Strategy und Metaplanet aus seinen Global Investable Market Indexes (GIMI) zu streichen. Hintergrund ist ein neues Regelwerk, mit dem Unternehmen ausgeschlossen werden könnten, die der Indexanbieter nicht mehr als operativ tätige Gesellschaften einstuft. Das geht aus einem Konsultationspapier hervor.
Mit dem Vorschlag will MSCI zusätzliche quantitative Kriterien einführen, um börsennotierte Unternehmen zu identifizieren, deren Geschäftsmodell eher einem Anlagevehikel als einem klassischen operativen Unternehmen ähnelt.
Strategy und Metaplanet gehören zu drei derzeit im MSCI ACWI Investable Market Index (ACWI IMI) vertretenen Unternehmen, die bei einer Umsetzung der neuen Regeln aus dem Index fallen würden. Als drittes Unternehmen könnte die britische Gesellschaft Yellow Cake betroffen sein.
Nach Angaben von MSCI soll das geplante Regelwerk Unternehmen erfassen, die ihren Wert vor allem durch den Aufbau und das Halten nicht operativer Vermögenswerte schaffen, nur begrenzte Mittelzuflüsse aus ihrem eigentlichen Geschäft erzielen und für ihr Wachstum stark von Marktbewegungen oder externem Kapital abhängig sind.
Das geplante Prüfverfahren soll aus zwei Stufen bestehen. Zunächst soll ein sogenannter Core Screen feststellen, ob ein Unternehmen über ausreichend operative Vermögenswerte verfügt. Gesellschaften, die diese Prüfung nicht bestehen, würden anschließend einem Exclusion Screen unterzogen, der auf fünf Finanzkennzahlen basiert.
Dabei sollen die Intensität der operativen Vermögenswerte, die Kostenintensität, der Cashflow, der Anteil von Vermögenswerten zum beizulegenden Zeitwert sowie die Abhängigkeit von Kapital berücksichtigt werden. Ein Unternehmen wäre dem Vorschlag zufolge nicht mehr für eine Indexaufnahme geeignet, wenn mindestens vier der fünf Warnkriterien erfüllt sind.

Für Unternehmen, die bereits in den Indizes enthalten sind, schlägt MSCI weniger strenge Schwellenwerte und zusätzliche Schutzmechanismen vor, um unnötig häufige Veränderungen bei der Indexzusammensetzung zu vermeiden. Bestehende Indexmitglieder müssten die entsprechenden Prüfungen in zwei aufeinanderfolgenden jährlichen Berichtsperioden nicht bestehen, bevor sie ausgeschlossen werden könnten.
Darüber hinaus sieht der Vorschlag eine öffentliche Beobachtungsliste für Unternehmen vor, die auf Grundlage ihrer jüngsten Geschäftsberichte die Kriterien nicht erfüllen, bei denen die erforderliche Zweijahresfrist für einen Ausschluss aber noch nicht erreicht ist.
Der Ethereum-Treasury-Spezialist SharpLink soll gemeinsam mit Center Laboratories und Lydia Holding auf diese geplante Beobachtungsliste gesetzt werden. MSCI erklärte, Unternehmen könnten von der Liste gestrichen werden, wenn sie die Kriterien bei der nächsten jährlichen Überprüfung erneut nicht erfüllen.
Für die betroffenen Unternehmen könnten die möglichen Änderungen weitreichende Folgen haben. Die Aufnahme in große Aktienindizes spielt eine wichtige Rolle für institutionelle Investoren und für Fonds, die diese Börsenbarometer nachbilden.
MSCI betonte, dass die Konsultation nicht zwangsläufig zur Umsetzung der vorgeschlagenen Änderungen führen werde. Der Indexanbieter nimmt bis zum 30. September Stellungnahmen von Marktteilnehmern entgegen.
Nach Abschluss der Konsultationsphase will MSCI seine Entscheidung spätestens am 16. Oktober bekannt geben. Sollte der Vorschlag angenommen werden, sollen die Änderungen im Rahmen der Indexüberprüfung im November umgesetzt werden.
Die jüngste Konsultation von MSCI knüpft an eine frühere Debatte über den Umgang mit Unternehmen an, die große Bitcoin-Bestände in ihren Bilanzen halten. Bereits im November hatte der Indexanbieter geprüft, ob Strategy und andere Gesellschaften mit umfangreichen Beständen an digitalen Vermögenswerten weiterhin für seine Indizes infrage kommen. Damals waren Befürchtungen aufgekommen, ein Ausschluss könnte erhebliche Mittelabflüsse bei passiven Fonds aus den Aktien der betroffenen Unternehmen auslösen.