Der Goldpreis (XAU/USD) erholt sich im frühen asiatischen Handel am Freitag auf rund 4.660 USD und gewinnt damit etwas verlorenen Boden zurück. Das Potenzial für weitere Kursgewinne des Edelmetalls könnte jedoch begrenzt sein, da die Aussichten auf Zinssenkungen in den USA weitgehend verblasst sind. Die Marktteilnehmer werden das Treffen von US-Präsident Donald Trump mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking genau beobachten.
Trump und Xi forderten am Donnerstag eine bessere US-chinesische Beziehung, als sie einen zweitägigen Gipfel begannen, der voraussichtlich Themen von Zöllen bis hin zu künstlicher Intelligenz abdecken wird. Xi soll den US-Geschäftsführern mitgeteilt haben, dass ihre Unternehmen „tief in Chinas Reform und Öffnung eingebunden sein könnten“ und dass „Chinas Tür nur noch weiter geöffnet wird.“
Trump sagte nach den Treffen am Donnerstag, dass Xi Hilfe zur Lösung des Konflikts angeboten und zugesagt habe, dem Iran keine militärische Ausrüstung zu liefern. Xi wolle zudem die kritische Straße von Hormus wieder öffnen sehen.
„Der Markt versucht, die Wahrscheinlichkeit eines möglichen Endes der Feindseligkeiten im Nahen Osten und der vollständigen Wiedereröffnung der Straße von Hormus zu entschlüsseln“, sagte Nicholas Frappell, globaler Leiter der institutionellen Märkte bei ABC Refinery. „Gold wird von einem schwächeren Dollar und einer weniger aggressiven Straffung der Geldpolitik durch die Zentralbanken profitieren, wenn die Straße wieder geöffnet wird“, fügte Frappell hinzu.
US-Daten, die diese Woche veröffentlicht wurden, zeigten, dass die Inflation des US-Erzeugerpreisindex (EPI) im April auf das schnellste Tempo seit 2022 beschleunigte, während der Verbraucherpreisindex (VPI) den stärksten Anstieg seit 2023 verzeichnete. Diese Berichte haben die Markterwartungen bestärkt, dass die Federal Reserve (Fed) die Zinsen auf einem hohen Niveau halten wird, um anhaltenden Inflationsdruck zu bekämpfen. Es ist erwähnenswert, dass Gold oft in Zeiten geopolitischer Unsicherheit genutzt wird, aber keine Zinsen abwirft, was es bei hohen Zinssätzen weniger attraktiv macht.
Gold hat in der Geschichte der Menschheit stets eine zentrale Rolle gespielt – als universelles Tauschmittel und sicherer Wertspeicher. Heute wird das Edelmetall vor allem als „sicherer Hafen“ in Krisenzeiten geschätzt. Gold dient nicht nur als Schmuck oder Anlageobjekt, sondern wird auch als Absicherung gegen Inflation und Währungsabwertungen betrachtet. Sein Wert ist unabhängig von staatlichen Institutionen oder einzelnen Währungen, was es in unsicheren Zeiten besonders attraktiv macht.
Zentralbanken zählen zu den größten Goldkäufern weltweit. Um ihre Währungen in Krisenzeiten zu stützen, kaufen sie Gold, um die wirtschaftliche Stabilität und das Vertrauen in ihre Währungen zu stärken. 2022 kauften Zentralbanken laut World Gold Council 1.136 Tonnen Gold im Wert von rund 70 Milliarden US-Dollar – ein Rekordwert. Besonders schnell wachsende Schwellenländer wie China, Indien und die Türkei erhöhen ihre Goldreserven in hohem Tempo.
Gold steht traditionell in einer inversen Beziehung zum US-Dollar und zu US-Staatsanleihen – beide gelten als bedeutende Reservewährungen und sichere Häfen für Anleger. Wenn der Dollar abwertet, steigt der Goldpreis häufig, was Investoren und Zentralbanken in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit dazu veranlasst, ihre Portfolios zu diversifizieren. Ebenso ist Gold gegenläufig zu risikobehafteten Vermögenswerten. Während ein Aufschwung an den Aktienmärkten den Goldpreis oft drückt, profitieren Goldinvestoren in Zeiten von Börsenturbulenzen.
Der Goldpreis unterliegt einer Vielzahl von Einflussfaktoren. Geopolitische Spannungen oder die Sorge vor einer tiefen Rezession können den Preis des Edelmetalls schnell in die Höhe treiben, da Gold als sicherer Hafen gilt. Ohne eigene Rendite steigt der Wert des Metalls häufig in Phasen niedriger Zinsen, während hohe Zinskosten den Preis drücken. Die Entwicklung des Goldpreises ist jedoch stark vom US-Dollar abhängig, da das Edelmetall in Dollar (XAU/USD) gehandelt wird. Ein starker Dollar übt in der Regel Druck auf den Goldpreis aus, während ein schwächerer Dollar zu einer Verteuerung führen kann.