Die Analystin Mallika Sachdeva von Deutsche Bank sieht in den sich verändernden geopolitischen Rahmenbedingungen eine Neuausrichtung der Währungsreserven von Notenbanken hin zu Gold und weg vom US-Dollar (USD). Sachdeva skizziert ein Modell, das den Goldanteil in den Reserven mit den Beständen der Zentralbanken, dem Goldpreis und den globalen Devisenreserven verknüpft. Haupttreiber seien dabei Zentralbanken aus Schwellenländern. Sollte deren Goldquote steigen, könnte auch der Anteil des Edelmetalls deutlich zulegen.
„Die ‘Rückkehr der Geschichte’ hat weitreichende Folgen für Gold und den Dollar. 1989 argumentierte Francis Fukuyama, dass die Menschheit das ‘Ende der Geschichte’ erreicht habe. Die USA wurden zur unangefochtenen Hegemonialmacht, und der Welthandel expandierte stark in einer von den USA geprägten liberalen Ordnung.“
„Der Anteil von Gold an den Währungsreserven wird nicht durch das globale Währungssystem bestimmt, sondern durch das geopolitische Umfeld. Der Rückgang des Goldanteils erfolgte nicht mit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems in den 1970er Jahren, sondern erst mit dem Fall der Berliner Mauer und der Durchsetzung der US-Hegemonie in den 1990er Jahren.“
„Da sich die geopolitischen Kräfteverhältnisse erneut verschieben, sinkt auch der Anteil des US-Dollars an den Währungsreserven der Zentralbanken. Er ist von über 60 Prozent auf nur noch 40 Prozent gefallen, während sich der Goldanteil von seinen Tiefstständen auf inzwischen rund 30 Prozent verdreifacht hat.“
„Wir entwickeln ein Modell für den Goldanteil an den Zentralbankreserven als Funktion von: (1) dem Umfang der Goldbestände der Zentralbanken, (2) dem Goldpreis und (3) der Höhe der globalen Devisenreserven. Wir sehen, dass sich alle drei Faktoren bewegen – angetrieben vor allem von Schwellenländern.“
„Zentralbanken in Schwellenländern kaufen aktiv Gold und treiben damit die Preise nach oben; entscheidend ist zudem, dass ihre Devisenreserven nun strukturell zu sinken beginnen könnten.“