Die Strategen Oscar Munoz und Eli Nir vom Analysehaus TD Securities sehen die Federal Reserve angesichts des durch den Iran-Konflikt ausgelösten Ölpreisschocks vor widersprüchlichen Signalen. Die US-Wirtschaft zeige ein gemischtes Bild, während das doppelte Mandat der Notenbank weiterhin Spannungen aufweise. Kurzfristig erwarten sie eine abwartende Haltung der Fed, bevor es im weiteren Verlauf des Jahres 2026 zu Zinssenkungen kommen könnte, sofern die Rahmenbedingungen dies zulassen.
"Der aktuelle Zustand der US-Wirtschaft ist gemischt, wobei das doppelte Mandat der Fed zu Beginn des Jahres 2026 weiterhin unter Spannung steht. Ein Ausschuss, der sich kurzfristig etwas restriktiver zeigt, wäre für uns nicht völlig überraschend, da leicht straffere Finanzierungsbedingungen in dieser Phase eine wirksame geldpolitische Haltung darstellen könnten."
"Gleichzeitig gehen wir weiterhin davon aus, dass die Führung der Fed eher zu einer lockereren Geldpolitik neigt, wobei der Kern des Offenmarktausschusses weiterhin Zinssenkungen im späteren Verlauf des Jahres 2026 einplant – im Einklang mit unseren Erwartungen. Unserer Ansicht nach wird die Fed über den Energieschock hinwegsehen, solange eine Reihe von Bedingungen erfüllt sind, darunter stabile langfristige Inflationserwartungen und weitgehend begrenzte Zweitrundeneffekte auf die Kerninflation."
"Insbesondere im Vergleich zur Situation im Jahr 2022 befindet sich die US-Wirtschaft nun in einer deutlich anderen Lage: Geld- und Fiskalpolitik sind nicht übermäßig locker, der Arbeitsmarkt ist nicht mehr extrem angespannt, es gibt keine aufgestaute Konsumnachfrage durch überschüssige Ersparnisse, und die globalen Lieferketten stehen nicht mehr unter so starkem Druck. Wir glauben, dass dies der Fed ermöglicht, stärker auf Abwärtsrisiken für die Wirtschaft zu achten als noch zu ihrem Ausgangspunkt im März 2022."
"Unnötig zu sagen, dass wir zahlreiche Szenarien sehen, die den Ausblick für die US-Wirtschaft beeinträchtigen könnten und entweder zu einer deutlich restriktiveren Fed oder zu einer raschen Lockerung der Geldpolitik führen würden. Die Lage im Nahen Osten bleibt dynamisch. In der Zwischenzeit wird die Fed abwarten, bis sich ein klareres Bild ergibt. Eine offenbar weiterhin robuste US-Wirtschaft verschafft der Notenbank kurzfristig Spielraum für Geduld."