Die Analystin Mallika Sachdeva von Deutsche Bank sieht im Konflikt mit Iran einen möglichen Belastungstest für die Grundlagen des Petrodollar-Systems und damit auch für die Rolle des US-Dollars als globale Reservewährung. Die Bank verweist darauf, dass Veränderungen im Ölhandel des Nahen Ostens, Sanktionen und alternative Zahlungssysteme die Dominanz des Dollars im Welthandel und bei globalen Ersparnissen schrittweise untergraben könnten.
„Das langfristige Vermächtnis des Iran-Konflikts für den Dollar könnte darin bestehen, dass er die Grundlagen des Petrodollar-Systems auf die Probe stellt. Sollten bestehende Bruchlinien weiter offengelegt werden, könnte dies erhebliche Folgewirkungen auf die Nutzung des Dollars im globalen Handel und bei Ersparnissen sowie auf seine Rolle als weltweite Reservewährung haben.“
„Die Grundlagen des Petrodollar-Systems standen bereits vor diesem Konflikt unter Druck. Ein Großteil des Öls aus dem Nahen Osten wird inzwischen nach Asien und nicht mehr in die USA verkauft; sanktioniertes Öl aus Russland und Iran wird bereits außerhalb des Dollar-Systems gehandelt; Saudi-Arabien lokalisiert seine Verteidigungsstrukturen und erprobt alternative, nicht auf dem Dollar basierende Zahlungsinfrastrukturen wie das Projekt mBridge.“
„Der aktuelle Konflikt könnte weitere Schwachstellen offenlegen, indem er den US-Sicherheitsschutz für die Infrastruktur im Golfraum sowie die maritime Sicherheit des globalen Ölhandels infrage stellt. Schäden an den Volkswirtschaften der Golfstaaten könnten dazu führen, dass diese ihre Auslandsvermögen abbauen. Vor diesem Hintergrund sollten Berichte aufmerksam verfolgt werden, wonach die Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus im Gegenzug für Ölzahlungen in Yuan ermöglicht werden könnte.“
„Der Konflikt könnte rückblickend als ein entscheidender Auslöser für den Rückgang der Dominanz des Petrodollars und als Beginn des Petroyuan gesehen werden.“
„Eine Welt, die in den Bereichen Verteidigung und Energie stärker auf Selbstversorgung setzt, könnte zugleich eine Welt sein, die geringere Dollar-Reserven hält.“