Gold glänzt – aber Bitcoin könnte der heimliche Gewinner sein. Genau das sagt jetzt ausgerechnet JPMorgan. Und das nach Monaten, in denen Bitcoin deutlich schlechter lief als das Edelmetall. Für viele Anleger klingt das erst einmal widersprüchlich. Doch genau hier beginnt die Geschichte.
Seit Oktober hat Gold Bitcoin klar hinter sich gelassen. Doch laut JPMorgan ist genau diese massive Outperformance ein Problem für Gold – und ein Vorteil für Bitcoin. Denn während Gold stieg, explodierte gleichzeitig die Volatilität. Das bedeutet: mehr Schwankung, mehr Risiko.
Der quantitative Stratege Nikolaos Panigirtzoglou bringt es auf den Punkt: Die Kombination aus Golds starkem Lauf und der gestiegenen Unsicherheit lässt Bitcoin langfristig attraktiver erscheinen – zumindest, wenn man Rendite und Risiko gemeinsam betrachtet.
Dass Bitcoin zuletzt schwächelte, hat handfeste Gründe. Die Kryptomärkte wurden gleich von mehreren Seiten getroffen:
Solche Vorfälle treffen den gesamten Markt. Selbst Anleger, die mit Solana nichts zu tun haben, reagieren nervös. Vertrauen ist im Kryptosektor alles – und es war zuletzt knapp.
Trotz der Kursverluste bleibt JPMorgan auffällig nüchtern. Die Bank stellt fest: Die Liquidationen waren deutlich moderater als im letzten Quartal. Hebelpositionen wurden abgebaut, ja. Aber von einem brutalen Ausverkauf kann keine Rede sein.
Auch an den Terminbörsen, etwa bei Bitcoin- und Ethereum-Kontrakten an der CME, zeigt sich: Anleger reduzieren Risiko – sie fliehen aber nicht kopflos.
Anders sieht es bei einem Punkt aus, den man nicht ignorieren sollte: Bitcoin-Spot-ETFs verzeichnen weiterhin Abflüsse.
Für JPMorgan ist das ein klares Zeichen: Die negative Stimmung betrifft nicht nur Trader oder Zocker, sondern auch institutionelle Anleger und Privatinvestoren. Wenn selbst ETFs Geld verlieren, ist das kein Randphänomen mehr – das ist breite Skepsis.
Auch die Stablecoin-Bestände gehen weiter zurück. Für viele klingt das nach Kapitalflucht. JPMorgan widerspricht. Die Bank sieht darin keine große Abwanderung, sondern eine verzögerte Reaktion auf die zuvor gesunkene Gesamtmarktkapitalisierung.
Kurz gesagt: Weniger Markt, weniger Liquidität – aber kein kollektiver Ausstieg aus Krypto.
Besonders brisant ist eine Zahl, die JPMorgan nennt: 87.000 US-Dollar. Das ist laut Bank die geschätzte Produktionskosten-Schwelle für Bitcoin. Und Bitcoin notiert aktuell deutlich darunter.
Historisch hatte diese Zone oft eine besondere Bedeutung. Kein harter Boden, keine Garantie – aber ein Bereich, in dem sich der Markt in der Vergangenheit häufig stabilisierte.
Jetzt kommt der Kern der Analyse. Nicht kurzfristige Kurse sind entscheidend, sondern das Verhältnis von Risiko zu Chance. Und hier sieht JPMorgan eine klare Verschiebung.
Das Volatilitätsverhältnis zwischen Bitcoin und Gold ist auf 1,5 gefallen – ein neuer Tiefstwert. Bedeutet: Im Verhältnis zu Gold ist Bitcoin so wenig riskant wie nie zuvor.
Noch drastischer: Auf volatilitätsbereinigter Basis müsste Bitcoins Marktkapitalisierung auf 266.000 steigen, um das private Investment in Gold zu erreichen.
Kurzfristig bleibt das Umfeld schwierig. Schwache Stimmung, ETF-Abflüsse, Unsicherheit. Doch genau in solchen Phasen entstehen oft langfristige Chancen. JPMorgan sagt nicht, dass Bitcoin morgen explodiert. Die Bank sagt etwas anderes – und das ist fast gefährlicher:
Bitcoin sieht langfristig besser aus als Gold, wenn man Risiko ehrlich einpreist.
Gold steht im Rampenlicht. Bitcoin nicht. Doch laut JPMorgan hat sich das Kräfteverhältnis leise verschoben. Weniger Hype, weniger Euphorie – aber ein besseres Risiko-Profil.
Wer nur auf Schlagzeilen schaut, sieht Schwäche. Wer tiefer hinsieht, erkennt: Bitcoin ist im Vergleich zu Gold so attraktiv wie lange nicht mehr.
Und genau das übersehen die meisten.