Die stärkste Bewegung an den Rohstoffmärkten am Vortag zeigte sich bei Erdgas: Die Terminkontrakte auf Henry Hub mit nächstem Liefermonat sprangen um 25 Prozent nach oben, merkt der Rohstoffexperte Warren Patterson von ING an.
„Dies folgte auf eine ähnliche Aufwärtsbewegung am Dienstag. Henry Hub hat in dieser Woche bislang um mehr als 50 Prozent zugelegt, da eine Kältewelle große Teile der USA erfasst. Dies führt zu einem sprunghaften Anstieg der Heiznachfrage und schürt Sorgen über mögliche Angebotsunterbrechungen infolge der Frostbedingungen, die sich bis in den Süden nach Texas erstrecken. Die potenziellen Auswirkungen sind erheblich. Ein Blick zurück auf den Wintersturm im Februar 2021 genügt, als die US-Erdgasproduktion den stärksten monatlichen Rückgang ihrer Geschichte verzeichnete und um rund sieben Prozent gegenüber dem Vormonat einbrach.“
„Die Bewegung am Gasmarkt hat Spekulanten auf dem falschen Fuß erwischt. Die jüngsten Positionsdaten zeigen, dass Spekulanten per vergangenem Dienstag bei Henry Hub eine Netto-Short-Position von 104.000 Kontrakten hielten, während die Brutto-Short-Position den höchsten Stand seit November 2024 erreichte. Entsprechend verstärkt das Eindecken von Leerverkäufen in dieser Woche die Dynamik der Bewegung. Allerdings sind die US-Erdgasspeicher weiterhin gut gefüllt. Die neuesten Daten zeigen, dass die Lagerbestände zum 9. Januar bei 3,19 Billionen Kubikfuß lagen, ein Prozent über dem Vorjahresniveau und zudem 3,4 Prozent über dem Fünfjahresdurchschnitt. Dies deutet darauf hin, dass die Bewegung relativ kurzlebig sein dürfte, auch wenn viel von der Schwere der Auswirkungen des Sturms abhängen wird.“
„Die Rally am US-Markt hat zudem Wellen durch die globalen Gasmärkte geschlagen. In Europa legte der TTF-Preis gestern um mehr als neun Prozent zu und durchbrach kurzzeitig die Marke von 40 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Juni 2025. Der europäische Markt hatte bereits mit eigener Kälte und niedrigen Speicherständen zu kämpfen, was die Preise stützte. Angebotsrisiken in den USA dürften diese Sorgen zusätzlich verstärken, angesichts der Möglichkeit von Störungen bei den US-LNG-Lieferungen nach Europa. Da die EU-Gasspeicher inzwischen nur noch zu 48 Prozent gefüllt sind, sprechen Prognosen kalten Wetters und das Risiko von Lieferunterbrechungen dafür, dass die Marktvolatilität kurzfristig hoch bleiben dürfte.“