Das Paar EUR/USD handelt im frühen asiatischen Handel am Mittwoch im negativen Bereich um 1,1735. Der US-Dollar (USD) steigt gegenüber dem Euro (EUR) aufgrund der heißeren als erwarteten US-Inflationsdaten leicht an. Die Händler bereiten sich auf den US-Erzeugerpreisindex (EPI) für April vor, der später am Mittwoch veröffentlicht wird.
Die jährliche Inflation in den Vereinigten Staaten (US), gemessen an der Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI), stieg im April auf 3,8% von 3,3% im März, so das US Bureau of Labor Statistics (BLS) am Dienstag. Dieser Wert lag über dem Marktkonsens von 3,7% und verzeichnete den höchsten Stand seit Mai 2023. Auf Monatsbasis stieg der VPI im April um 0,6% im Vergleich zu 0,9% im März und entsprach damit den Analystenschätzungen.
Zusätzlich stieg der Kern-VPI, der volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausschließt, sowohl im Monats- als auch im Jahresvergleich um 0,4% bzw. 2,8%. Dieser Inflationsbericht hat die Wetten auf Zinserhöhungen der Federal Reserve (Fed) im weiteren Jahresverlauf angeheizt, was den Greenback weiter stützt und dem Hauptwährungspaar Gegenwind verleiht.
Auf der anderen Seite des Atlantiks könnten hawkische Äußerungen von Vertretern der Europäischen Zentralbank (EZB) die Gemeinschaftswährung stützen. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sagte am Mittwoch, dass die Wahrscheinlichkeit steige, dass die Zentralbank aufgrund des Iran-Kriegs die Kreditkosten erhöhen müsse.
Unterdessen sagte EZB-Ratsmitglied Martin Kocher am Montag, dass es keinen Grund gebe, die Zinserhöhungen zu verzögern, wenn sich die Energiepreise nicht rasch verbessern. Die Finanzmärkte rechnen laut Reuters nun mit einer 92%igen Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte (bps) auf der Juni-Sitzung, wobei bis Ende 2026 insgesamt drei Zinserhöhungen erwartet werden.
Der Euro ist die Währung der 19 Länder der Europäischen Union, die zur Eurozone gehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 machte er 31 % aller Devisentransaktionen aus, mit einem durchschnittlichen Tagesumsatz von über 2,2 Billionen US-Dollar pro Tag. Der EUR/USD ist das am meisten gehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus. Es folgen der EUR/JPY mit 4 %, der EUR/GBP mit 3 % und der EUR/AUD mit 2 %.
Die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt, Deutschland, ist die Zentralbank der Eurozone. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Das Hauptziel der EZB ist die Preisstabilität, was entweder die Kontrolle der Inflation oder die Förderung des Wachstums bedeutet. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinssätze oder die Erwartung höherer Zinssätze stärken in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft geldpolitische Entscheidungen in acht Sitzungen pro Jahr. Diese werden von den Leitern der nationalen Zentralbanken der Eurozone und sechs ständigen Mitgliedern, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde, getroffen.
Die Inflation in der Eurozone, gemessen am harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI), ist ein entscheidender Faktor für den Euro. Übertrifft die Inflation die Erwartungen und das Ziel von 2 % der Europäischen Zentralbank (EZB), wird die EZB wahrscheinlich die Zinsen anheben müssen, um die Preisstabilität zu sichern. Höhere Zinsen im Vergleich zu anderen Währungsräumen machen den Euro attraktiver für globale Investoren und stärken somit die Währung.
Veröffentlichungen von Wirtschaftsdaten beeinflussen die Gesundheit der Wirtschaft und somit den Euro. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), Einkaufsmanagerindizes (PMI), Beschäftigungszahlen und Konsumentenstimmung geben Hinweise auf die Entwicklung der gemeinsamen Währung. Eine starke Wirtschaft stützt den Euro, da sie ausländische Investitionen anzieht und möglicherweise die Europäische Zentralbank (EZB) zu Zinserhöhungen bewegt. Schwache Daten hingegen lassen den Euro oft fallen. Besonders relevant sind hierbei die Daten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums – Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien –, die rund 75 % der Eurozonen-Wirtschaft ausmachen.
Ein entscheidender Faktor für den Euro ist die Handelsbilanz, die den Unterschied zwischen den Einnahmen aus Exporten und den Ausgaben für Importe eines Landes über einen bestimmten Zeitraum misst. Wenn ein Land gefragte Exportgüter herstellt, erhöht sich die Nachfrage nach seiner Währung, da ausländische Käufer diese Waren erwerben wollen. Eine positive Handelsbilanz stärkt somit den Euro, während ein Handelsdefizit die Währung unter Druck setzen kann.