Das Währungspaar EUR/GBP hält im frühen europäischen Handel am Dienstag positive Werte nahe 0,8685. Das Pfund Sterling (GBP) schwächt sich gegenüber dem Euro (EUR) nach den britischen Arbeitsmarktdaten. Händler werden weitere Hinweise aus der Rede des EZB-Politikers Joachim Nagel später am Dienstag aufnehmen.
Die vom britischen Office for National Statistics am Dienstag veröffentlichten Daten zeigten, dass die ILO-Arbeitslosenquote des Landes in den drei Monaten bis November bei 5,1% blieb, im Vergleich zu 5,1% zuvor. Diese Zahl lag über dem Marktkonsens von 5,0% im Berichtszeitraum. In der Zwischenzeit stieg die Veränderung der Antragstellerzahl im Dezember um 17,9K im Vergleich zu einem Rückgang von 3,3K zuvor. Der gemischte britische Arbeitsmarktbericht konnte das GBP gegenüber dem EUR nicht stärken.
Händler werden die Veröffentlichung der Inflationsdaten des britischen Verbraucherpreisindex (CPI) für Dezember, die am Mittwoch fällig sind, genau beobachten. Dieser Bericht könnte einige Hinweise auf die geldpolitischen Aussichten der Bank of England (BoE) geben.
Die Europäische Zentralbank (EZB) signalisierte, dass sie derzeit auf einem stabilen Zinspfad ist, ohne kurzfristige Debatten über weitere Zinssenkungen, sofern die aktuellen wirtschaftlichen Projektionen bestehen bleiben. Dies könnte wiederum dem Euro kurzfristig Unterstützung bieten.
Die EZB hat die Zinsen seit dem Ende eines Zinssenkungszyklus im Juni 2025 unverändert gelassen und deutete beim Dezember-Treffen an, dass sie es nicht eilig hat, die Politik erneut zu ändern. Der Rat wird weiterhin einen "datenabhängigen und sitzungsbasierten Ansatz" verfolgen, ohne sich im Voraus auf einen bestimmten zukünftigen Zinspfad festzulegen. EZB-Vertreter erklärten weiter, dass Entscheidungen auf der Bewertung der Inflationsaussichten basieren werden.
Der Arbeitsmarkt gilt als entscheidender Indikator für die wirtschaftliche Stabilität eines Landes und beeinflusst maßgeblich den Wert einer Währung. Hohe Beschäftigung und geringe Arbeitslosigkeit tragen zu einer starken Binnennachfrage bei und stützen das Wirtschaftswachstum, was wiederum die Landeswährung stärkt. Ein besonders angespannter Arbeitsmarkt – also ein Mangel an Arbeitskräften – kann zudem inflationsfördernd wirken, da steigende Löhne bei knappen Arbeitskräften oft die Folge sind, was die Geldpolitik beeinflusst.
Das Lohnwachstum in einer Volkswirtschaft ist ein entscheidender Indikator für die Geldpolitik. Steigende Löhne bedeuten mehr Konsumausgaben, was in der Regel die Preise antreibt. Im Gegensatz zu volatilen Preistreibern wie Energie gilt das Lohnwachstum als stabiler Inflationsfaktor, da Gehaltserhöhungen schwer zurückgenommen werden können. Zentralbanken achten daher stark auf Lohnwachstumsdaten bei der Festlegung ihrer geldpolitischen Maßnahmen.
Das Gewicht, das Zentralbanken den Arbeitsmarktbedingungen beimessen, variiert je nach ihren Zielen. Einige Institutionen haben explizit erweiterte Mandate, die über die reine Inflationskontrolle hinausgehen und den Arbeitsmarkt betreffen. So verfolgt die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) das doppelte Ziel, sowohl maximale Beschäftigung als auch stabile Preise zu fördern. Im Gegensatz dazu konzentriert sich die Europäische Zentralbank (EZB) ausschließlich darauf, die Inflation im Zaum zu halten. Dennoch spielen die Entwicklungen am Arbeitsmarkt für alle Notenbanken eine zentrale Rolle, da sie ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Gesamtlage sind und in enger Verbindung mit der Inflationsentwicklung stehen.