TradingKey – Samsung Electronics und SK Hynix haben in den letzten Jahren Ätzanlagen des chinesischen Halbleiterausrüsters AMEC evaluiert. Dies berichten von Reuters zitierte Insider. Hauptziel ist es demnach, sich zusätzliche Optionen in der Lieferkette für ihre Produktionsstandorte in China zu sichern, um die Risiken einer potenziellen weiteren Verschärfung der US-Exportkontrollen in der Zukunft zu mindern.
Mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge haben die beiden Speicherchip-Giganten vor etwa zwei Jahren mit dem Testen der Anlagen von AMEC begonnen. Zu diesem Zeitpunkt verschärften sich die US-Restriktionen für Halbleiter gegenüber China immer weiter, und es herrschte erhebliche Unsicherheit darüber, ob Samsung und SK Hynix eine langfristige, stabile Versorgung mit US-Anlagen für die Waferherstellung sichern könnten. Daher begannen die beiden Unternehmen, proaktiv alternative Optionen zu planen.
Obwohl die Tests noch nicht bis zur formellen Integration in die Produktionslinien fortgeschritten sind und noch keine groß angelegten Beschaffungsentscheidungen getroffen wurden, ist der Einzug in die Verifizierungssysteme weltweit führender Speicherchip-Hersteller für AMEC an sich schon von großer Bedeutung. Dies bedeutet nicht nur, dass die eigene Produkttechnologie eine erste Anerkennung bei internationalen Kunden gefunden hat, sondern dürfte auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens auf dem globalen Markt für Halbleiterausrüstung stärken.
Samsung reagierte jedoch nachträglich gegenüber Reuters, dementierte die Behauptungen und erklärte, das Unternehmen habe die Anlagen von AMEC in seinen chinesischen Werken weder getestet noch den Einsatz solcher Ausrüstung geplant.
Trotz einer jüngsten Korrektur ihrer Aktienkurse verzeichnet SK Hynix seit Jahresbeginn immer noch ein Plus von über 150 %, und auch der kumulierte Zuwachs von Samsung Electronics hat die Marke von 100 % überschritten.
Die USA haben in den letzten Jahren ihre Exportbeschränkungen für hochentwickelte Halbleiterausrüstung kontinuierlich verschärft. Obwohl das US-Handelsministerium die in China gelegenen Fabriken von Samsung und SK Hynix im Jahr 2023 auf die Liste verifizierter Endnutzer („Validated End-User“, VEU) gesetzt hatte, was ihnen die Beschaffung bestimmter kontrollierter Ausrüstungen ohne Einzelgenehmigungen ermöglichte, wurde diese Berechtigung im Jahr 2025 aufgehoben. In der Folge gingen die USA dazu über, den beiden Unternehmen Lizenzen auf jährlicher Basis zu erteilen, damit sie weiterhin bestimmte Halbleiter-Produktionsanlagen für ihre chinesischen Werke importieren können.
Brancheninsider befürchten jedoch, dass sich der Umfang künftiger US-Beschränkungen noch weiter ausweiten könnte und nicht nur die Beschaffung neuer Ausrüstung betrifft, sondern auch die Wartung, den Austausch von Ersatzteilen sowie nachträgliche Upgrades bestehender westlicher Anlagen umfasst. Daher wird der frühzeitige Aufbau eines lokalen chinesischen Zuliefernetzwerks für Ausrüstung als wichtige Vorbereitung angesehen, um Lieferkettenrisiken abzufedern.
Aus Branchenkreisen verlautete, dass das Hauptziel von Samsung und SK Hynix bei der derzeitigen Prüfung chinesischer Zulieferer nicht darin bestehe, die Kapazitäten ihrer chinesischen Werke auszubauen. Vielmehr solle sichergestellt werden, dass die bestehenden Produktionslinien auch unter extremen Bedingungen weiterhin gewartet und modernisiert werden können.
Derzeit nutzen das NAND-Flash-Werk von Samsung in Xi'an sowie das DRAM-Werk in Wuxi und das NAND-Werk in Dalian von SK Hynix immer noch in weitem Umfang Ätzanlagen von US-amerikanischen Herstellern wie Applied Materials und Lam Research.
Aus Sicht der Branche wäre es ein wichtiges Beispiel für die Erschließung internationaler Märkte durch chinesische Halbleiterausrüster, sollten die Produkte von AMEC letztendlich von Samsung oder SK Hynix eingeführt werden. Obwohl chinesische Ausrüstungshersteller in Bereichen wie der hochentwickelten Lithografie in den letzten Jahren noch hinter den führenden internationalen Unternehmen zurücklagen, haben sie die technologische Lücke in Segmenten wie Ätzen, Dünnschichtabscheidung, Reinigung und CMP sukzessive verringert und gleichzeitig ihren Marktanteil dank wettbewerbsfähigerer Preisvorteile kontinuierlich ausgebaut.
Dan Hutcheson, Vizepräsident von TechInsights, erklärte, dass der Verkaufspreis vergleichbarer Geräte chinesischer Hersteller im Allgemeinen um etwa 20 % bis 30 % niedriger liege als der ihrer internationalen Wettbewerber, was einen sehr deutlichen Preis-Leistungs-Vorteil biete. Zudem haben führende chinesische Speicherchip-Hersteller, darunter YMTC, die Ausrüstung von AMEC bereits in großen Stückzahlen im Einsatz. Dies stärkt das Vertrauen internationaler Kunden in die Reife und Zuverlässigkeit der Produkte weiter und ist ein weiterer wesentlicher Grund dafür, warum Samsung und SK Hynix bereit sind, eine Validierung der Ausrüstung durchzuführen.