Wall Street erwartet SpaceX-Umsatzwachstum vor erstem Ergebnisbericht; Morgan Stanley belässt Kursziel bei 300 $

Quelle Tradingkey

TradingKey - SpaceX ( SPCX) wird am 4. August nach US-Börsenschluss (Eastern Time) seine Finanzergebnisse für das zweite Quartal 2026 vorlegen, was den ersten Finanzbericht des Unternehmens seit seinem Börsendebüt im Juni markiert.

SpaceX ging zu einem Ausgabepreis von 135 US-Dollar pro Aktie an die Börse und stieg nach der Erstnotiz zeitweise auf 225,64 US-Dollar, ist jedoch bis zum 31. Juli auf 108,37 US-Dollar gefallen – ein Rückgang von über 50 % gegenüber dem Höchststand und ein neues Tief seit dem Börsengang.

Da der Aktienkurs bereits unter dem Ausgabepreis liegt und das Ende einer massiven Lock-up-Sperrfrist unmittelbar bevorsteht, ist Morgan Stanley ( MS) der Ansicht, dass SpaceX vor seiner härtesten Marktprüfung seit dem Börsengang steht. Dennoch hält das Institut an seiner Einstufung 'Overweight' für SpaceX sowie an einem Kursziel von 300 US-Dollar fest, da der Markt den langfristigen Wert des KI-Geschäfts des Unternehmens nach wie vor deutlich unterschätzt.

Erster Quartalsbericht zeigt, ob sich das Wachstum weiter beschleunigt

Die Wall Street erwartet derzeit, dass der Umsatz von SpaceX im zweiten Quartal 6,88 Milliarden US-Dollar erreichen wird, bei einem Nettoverlust je Aktie von 0,23 US-Dollar. Die Prognose von Morgan Stanley ist etwas vorsichtiger und geht von einem Umsatz von rund 6,75 Milliarden US-Dollar sowie einem bereinigten Verlust je Aktie von 0,35 US-Dollar aus. Zum Vergleich: Der Umsatz des Unternehmens im ersten Quartal lag bei 4,69 Milliarden US-Dollar, bei einem Verlust je Aktie von 1,27 US-Dollar.

Der Markt erwartet, dass KI und Starlink in diesem Quartal die wichtigsten Wachstumstreiber sein werden. Dabei könnte der Umsatz im KI-Geschäft von 818 Millionen US-Dollar im ersten Quartal auf 2,18 Milliarden US-Dollar steigen, während der Umsatz mit Startdienstleistungen voraussichtlich um fast 35 % auf 835 Millionen US-Dollar wachsen wird. Der Konnektivitätsumsatz, der auch Starlink umfasst, soll voraussichtlich 3,83 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem Anstieg von 17,5 % gegenüber dem ersten Quartal entspricht.

Starlink bleibt das stabilste Umsatzfundament für SpaceX, wobei die Zahl der Privatkunden-Abonnenten im ersten Quartal 10,3 Millionen erreichte und die Bereiche privates Breitband, Luftfahrtkommunikation, Mobilfunknetze sowie staatliche Dienste abdeckte. Morgan Stanley geht davon aus, dass die Zahl der Privatkunden-Abonnenten von Starlink im zweiten Quartal auf 12 Millionen steigen könnte, bei einem durchschnittlichen monatlichen Umsatz pro Nutzer von rund 65,50 US-Dollar.

Unterdessen hat Musk kürzlich auch optimistischere langfristige Signale gesendet.

Am 1. August reagierte er auf einen Beitrag auf der Plattform X zum Wachstumspotenzial von SpaceX mit den Worten, dass „nur wenige Menschen das verstehen“. Der Beitrag prognostiziert, dass SpaceX durch den beschleunigten Ausbau der KI-Recheninfrastruktur und von Starlink in den nächsten 12 bis 24 Monaten einen zusätzlichen annualisierten Umsatz in Höhe der aktuellen Größe von Tesla generieren könnte, was etwa 95 bis 104 Milliarden US-Dollar entspricht.

300-Dollar-Kursziel setzt vor allem auf KI-Geschäft

Trotz eines deutlichen Rücksetzers des SpaceX-Aktienkurses hält Morgan Stanley an seinem Kursziel von 300 US-Dollar fest. Basierend auf dem aktuellen Aktienkurs entspricht dies einem potenziellen Aufwärtspotenzial von mehr als 170 %.

Im Bewertungsmodell der Bank wird das traditionelle Raumfahrtgeschäft mit rund 8 US-Dollar je Aktie bewertet, Starlink und Konnektivitätsdienste mit rund 128 US-Dollar, die Plattform X und Grok mit etwa 12 US-Dollar und das Enterprise-KI-Geschäft erreicht 152 US-Dollar. Mit anderen Worten trägt KI mehr als die Hälfte zur Zielbewertung von SpaceX bei, während das Raketenstartgeschäft nur einen kleinen Bruchteil ausmacht.

Diese Bewertung spiegelt wider, dass Morgan Stanley tatsächlich auf die künftige Expansion von SpaceX in den Bereichen Enterprise-KI, Rechenzentren und Orbital-Computing setzt und nicht auf die aktuellen Umsätze aus Raketenstarts. Die langfristige These lautet: Wenn Starship einen kostengünstigen, hochfrequenten und vollständig wiederverwendbaren Betrieb realisieren kann, könnte SpaceX schrittweise Recheninfrastruktur im Orbit aufbauen und Starlink nutzen, um Datenkonnektivität bereitzustellen.

Dieses Kursziel setzt jedoch mehrere langfristige Annahmen voraus, darunter die technologische Reife von Starship, ein anhaltendes Wachstum der KI-Nachfrage sowie die Kommerzialisierung orbitaler Rechenzentren. Etwaige Projektverzögerungen, Kostenüberschreitungen oder ein steigender Finanzierungsbedarf könnten zu einer deutlichen Abwärtskorrektur der Bewertung führen.

Freigabe gesperrter Aktien im Wert von 100 Milliarden Dollar erhöht kurzfristiges Risiko

Zwei Tage nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen steht SpaceX zudem vor dem ersten Ablauf der Sperrfrist nach dem Börsengang. Es wird geschätzt, dass ab dem 6. August maximal rund 911,5 Millionen Aktien in den Umlauf gelangen können, was zu aktuellen Kursen berechnet einem Marktwert von etwa 100 Milliarden US-Dollar entspricht. Dass die Aktien für den Handel freigegeben werden, bedeutet zwar nicht automatisch, dass sie alle verkauft werden, doch da frühe Investoren und Mitarbeiter hohe Buchgewinne verzeichnen, befürchtet der Markt, dass Gewinnmitnahmen die Volatilität des Aktienkurses verstärken könnten.

Angesichts des gleichzeitigen Drucks durch die Quartalszahlen und den Ablauf der Sperrfrist reicht das bloße Erfüllen der Markterwartungen möglicherweise nicht aus, um den Aktienkurs zu stabilisieren. SpaceX muss den Investoren beweisen, dass Starlink weiterhin rasant wächst, die KI-Investitionen einen klaren Weg zur Monetarisierung aufweisen und die Fortschritte beim Starship nicht wesentlich vom Zeitplan abweichen.

Auch Diskussionen über eine potenzielle Fusion zwischen SpaceX und Tesla könnten während der Telefonkonferenz aufkommen, allerdings fehlen für solche Berichte derzeit noch klare Belege. Im Vergleich zu den Fusionsgerüchten ist der Ausblick des Managements auf den Cashflow, die Investitionsausgaben und die drei Kerngeschäftsbereiche der Schlüssel dazu, ob der Aktienkurs von SpaceX seine Flaute nach dem Börsengang überwinden kann.

Haftungsausschluss: Nur zu Informationszwecken. Die bisherige Performance ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse.
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