Nomura-Ökonomen Josie Anderson, George Buckley und Andrzej Szczepaniak sehen in den jüngsten britischen Arbeitsmarktdaten ein Bild aus robusten Löhnen im Privatsektor und schwächerer Beschäftigung. Die Zahl der Beschäftigten auf den Lohnlisten sank, während die offenen Stellen auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2021 fielen. Sie erwarten, dass die Bank of England die Zinsen in dieser Woche unverändert lässt, warnen jedoch, dass anhaltend starkes Lohnwachstum und höhere Energiepreise künftige Zinserhöhungen erzwingen könnten.
"Dieser Bericht hat kaum etwas daran geändert, dass wir davon ausgehen, dass die BoE die Zinsen in dieser Woche unverändert lässt. Sollte sich die seit dem Frühjahr beobachtete Beschleunigung des regulären Lohnwachstums im Privatsektor jedoch fortsetzen, dürfte dies bei den Währungshütern Besorgnis auslösen, da Risiken von Zweitrundeneffekten auf die Inflation infolge des Iran-Kriegs im Zentrum der Überlegungen der Zinsetzer stehen werden."
"Das reguläre Lohnwachstum im Privatsektor stieg im Juli um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat, nach einem nach oben revidierten Wert von 0,45 Prozent im Juni und über unserer Prognose von 0,2 Prozent. Zwar liegt der Wert noch nicht allzu weit von den 0,2 bis 0,25 Prozent pro Monat entfernt, die wir gerne sehen würden und die im Schnitt der zwei Jahrzehnte bis 2019 erreicht wurden. Dennoch ist schnelleres Lohnwachstum eine zentrale Kennzahl, um Zweitrundeneffekte bei der Inflation zu beobachten."
"Negativ ist, dass die Beschäftigtenzahl auf den Lohnlisten stärker gefallen ist als von uns erwartet, nämlich um 26.000 statt der von uns prognostizierten 10.000. Zudem gab es negative Revisionen für die drei vorherigen Monate. Diese Reihe ist allerdings sehr revisionsanfällig, weshalb wir einem einzelnen Datenpunkt nicht zu viel Gewicht beimessen können."
"Wir erwarten in dieser Woche keine Änderung der Zinsen durch die Bank of England (BoE). Jüngste Aussagen von BoE-Vertretern deuten darauf hin, dass die Mehrheit des MPC nicht für eine Zinserhöhung stimmen wird. Wir erwarten erneut ein Abstimmungsergebnis von 6 zu 3 zugunsten unveränderter Zinsen, wobei Pill, Greene und Mann weiterhin für eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte stimmen dürften."
"Über die Zinsentscheidung in dieser Woche hinaus steigen jedoch die Risiken, dass die Währungshüter als Reaktion auf höhere Energiepreise die Zinsen anheben müssen. Weitere starke Daten zum regulären Lohnwachstum im Privatsektor würden zusätzliche Argumente für Zinserhöhungen liefern und sollten daher genau beobachtet werden."