Rabobank-Chefstratege Bas van Geffen rechnet damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Einlagensatz in der kommenden Woche um 25 Basispunkte auf 2,50 Prozent anhebt und anschließend für längere Zeit auf diesem Niveau belässt. Die Märkte preisen dagegen einen ungünstigeren Zinspfad mit einem Endzins von 3,00 Prozent ein. Aufwärtsrisiken bestünden insbesondere dann, wenn sich der Inflationsdruck ausweite und die Wirtschaft widerstandsfähig bleibe.
„Die EZB wird die Zinsen in der kommenden Woche mit ziemlicher Sicherheit anheben. Der Fokus der Märkte liegt auf dem geldpolitischen Kurs nach September. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Notenbank die Zinsen wahrscheinlich für längere Zeit bei 2,50 Prozent belassen wird. Die Risiken sprechen jedoch für weitere Anhebungen. Dazu dürfte es nur kommen, wenn der Preisdruck über die Energieinflation hinaus zunimmt und die Wirtschaft widerstandsfähig bleibt.“
„Der jüngste Anstieg der Energiepreise untermauert die Argumente für eine weitere Zinserhöhung bei der EZB-Sitzung in der kommenden Woche. Die Notenbank wird wachsam bleiben. Für den weiteren Kurs erwarten wir jedoch einen zurückhaltenderen Ton, als es die aktuelle Marktpreisbildung vermuten lässt.“
„Präsidentin Lagarde wird daher bekräftigen, dass die EZB bei Bedarf zu weiteren Maßnahmen bereit ist. Von einer stärkeren Vorfestlegung hätte sie jedoch wenig zu gewinnen. Der Markt könnte ihre Versuche, alle Optionen offenzuhalten, als vergleichsweise zurückhaltend auslegen. Angesichts der aktuellen Zinserwartungen dürfte die EZB dagegen kaum etwas einzuwenden haben.“
„Die derzeitige Preisbildung am Geldmarkt passt zu einer EZB, die ihr ‚maßvolles Tempo‘ bei der Straffung beibehält, dabei aber gezwungen ist, die Zinsen in den restriktiven Bereich anzuheben. Die Kurve der Tagesgeldsatz-Swaps deutet auf eine Wahrscheinlichkeit von 85 Prozent hin, dass die EZB die Zinsen bis zum Jahresende ein weiteres Mal erhöhen muss. Zudem besteht ein Risiko von 15 bis 20 Prozent, dass sie das Tempo der Zinsschritte bereits im Oktober beschleunigen muss. Händler rechnen derzeit außerdem mit einem Endzins von rund 3 Prozent.“
„Allerdings sind die Risiken eindeutig nach oben gerichtet. Im Juni hat die EZB gezeigt, dass sie Inflationsrisiken nur begrenzt toleriert. Sollten die Inflationserwartungen anzuziehen drohen oder Anzeichen dafür auftreten, dass sich der Preisdruck über die direkten und indirekten Folgen höherer Energiepreise hinaus ausweitet, wird die EZB nicht zögern, die Zinsen erneut anzuheben.“