Die britische Wirtschaft zeigt sich nach Einschätzung von Deutsche Bank Research um Sanjay Raja und Maui Brennan überraschend widerstandsfähig gegenüber dem durch den Iran-Konflikt ausgelösten Energieschock im Jahr 2026. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im ersten Quartal um 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal und legte im zweiten Quartal weitere 0,4 Prozent zu. Damit ist Großbritannien bislang die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der G7. Eine nachlassende Inflation, kräftige Konsumausgaben, robuste Unternehmensinvestitionen und der Aufbau von Lagerbeständen sprechen aus Sicht der Deutschen Bank dafür, dass das BIP-Wachstum 2026 die bisherige Prognose von 1,1 Prozent übertreffen könnte.
„Nach einem ausgesprochen starken ersten Quartal 2026, in dem das BIP-Wachstum mit einem Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vorquartal die Erwartungen der Prognostiker übertraf, enttäuschte auch das zweite Quartal nicht. Zum zweiten Mal in Folge entwickelte sich die britische Wirtschaft besser als erwartet und wuchs um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Damit ist Großbritannien in diesem Jahr bislang tatsächlich die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der G7. Auf das Jahr hochgerechnet wächst die Wirtschaft mit einer Rate von 2 Prozent.“
„Und erneut dürften die Prognostiker ihre Schätzungen nach oben korrigieren müssen, während sich bei den Wachstumsprognosen für 2026 weitere Aufwärtsrisiken abzeichnen. Entscheidend ist dabei die Frage, warum sich die Wirtschaft trotz des durch den Iran-Konflikt ausgelösten Energieschocks derart widerstandsfähig gezeigt hat. Die Konsumausgaben der privaten Haushalte stiegen im ersten Halbjahr 2026 immerhin um 0,85 Prozent.“
„Im Gesamtbild zeigt das britische BIP weiterhin mehr Widerstandskraft, als viele erwartet hatten. Die Umfragedaten aus dem Sommer haben bereits unsere eigenen Erwartungen übertroffen. Die jüngsten Einkaufsmanagerindizes deuten auf eine Belebung der wirtschaftlichen Aktivität hin. Der vorläufige Gesamtindex für August stieg von 52,2 auf 52,5 Punkte. Inzwischen sehen wir auch für unsere Wachstumsprognosen für das zweite Halbjahr 2026 weiteres Aufwärtspotenzial, insbesondere für das dritte Quartal.“
„Ein starker statistischer Überhang in Verbindung mit der anhaltenden Dynamik könnte das BIP-Wachstum um einen Zehntelprozentpunkt auf 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal steigen lassen. Unsere aktuelle Prognose geht für das dritte und vierte Quartal jeweils von einem BIP-Wachstum von 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal aus.“
„Alles in allem rechnen wir für dieses Jahr zwar weiterhin mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent, sehen jedoch zunehmende Aufwärtsrisiken. Die Risiken sprechen dafür, dass die Prognose in den kommenden Monaten erneut nach oben korrigiert werden könnte.“