Ökonomen der Standard Chartered, Christopher Graham und Carol Liao, sehen das wachsende Handelsdefizit der Europäischen Union gegenüber China mit Sorge und verweisen dabei besonders auf die Automobilbranche als Beispiel für die zunehmende Schieflage. Zugleich verweisen sie auf Bestrebungen der EU, ihre handelspolitischen Instrumente auszuweiten und die Industriestrategie anzupassen. China dürfte hingegen an einem pragmatischen Kurs festhalten, der die Handelsbeziehungen aufrechterhält, aber gezielte Maßnahmen offenlässt.
"EU-Vertreter zeigen sich zunehmend besorgt über das wachsende Handelsdefizit des Staatenverbunds gegenüber China. Dieses ist zwar größtenteils auf höhere Importvolumina zurückzuführen, wird jedoch auch durch rückläufige Exportmengen nach China verstärkt."
"Die Automobilbranche ist zu einem Sinnbild dieses Handelsdefizits geworden. Die Fahrzeugimporte der EU aus China haben sich seit 2019 verzehnfacht, während die EU-Exporte nach China in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen sind."
"EU-Vertreter führen Überkapazitäten in den chinesischen Industriesektoren als einen wesentlichen Treiber dieses wachsenden Ungleichgewichts an. Dies hat maßgeblich zu den Bemühungen der Europäischen Kommission beigetragen, ihr handelspolitisches Instrumentarium auszubauen und eine umfassendere Industriestrategie zu entwickeln."
"Eine von der Kommission geleitete Debatte Ende Mai könnte genutzt werden, um neue Handelsmaßnahmen zu erörtern, die sich möglicherweise auf den Umgang mit den wahrgenommenen Überkapazitäten in China konzentrieren."
"Wir gehen davon aus, dass Chinas Strategie gegenüber der EU angesichts anhaltender Spannungen mit den USA zurückhaltend und pragmatisch bleiben wird. Ziel dürfte es sein, eine vollständige Eskalation zu vermeiden, Handels- und Investitionsbeziehungen zu sichern und die EU als Gegengewicht zum Druck aus den USA einzubinden. Gleichwohl sind gezielte Maßnahmen gegen einzelne Produkte oder Unternehmen nicht auszuschließen."