Die Strategen Sim Moh Siong und Christopher Wong von OCBC sehen asiatische Währungen – darunter den Singapur-Dollar – weiterhin anfällig für inflations- und wachstumsbedingte Risiken durch steigende Ölpreise. Die von der International Energy Agency angekündigte Freigabe strategischer Ölreserven ändere daran zunächst wenig. Die Monetary Authority of Singapore dürfte zwar nicht vorschnell reagieren, ein dauerhaft hoher Energiepreis könnte den Spielraum der Notenbank jedoch einschränken.
„Die Entscheidung der IEA, 400 Millionen Barrel aus den Ölreserven freizugeben, um den Preisanstieg einzudämmen, ist zwar ein positiver Schritt. Die Drohung Irans mit einem Ölpreis von 200 US-Dollar pro Barrel könnte dies kurzfristig jedoch überlagern, da dies erhebliche Auswirkungen auf Inflation und Wachstumsaussichten hätte. Zudem dauert es aufgrund logistischer und transportbedingter Einschränkungen eine gewisse Zeit, bis freigegebene Ölreserven tatsächlich den offenen Markt erreichen.“
„Das bedeutet, dass die Märkte kurzfristig weiterhin unter Angebotsdruck stehen könnten – insbesondere dann, wenn Lieferunterbrechungen mit bestehenden Produktionskürzungen zusammenfallen. In diesem Sinne kann die Freigabe der Reserven zwar helfen, Panik zu begrenzen und die Volatilität zu glätten, sie beseitigt jedoch nicht vollständig das Risiko kurzfristiger Ölpreisspitzen. Entsprechend könnten asiatische Währungen, darunter auch der Singapur-Dollar, weiter unter Druck geraten.“
„Unsere Ökonomen schätzen, dass ein Anstieg des durchschnittlichen Rohölpreises von rund 63 auf etwa 92 US-Dollar pro Barrel die Gesamtinflation im Jahr 2026 von ungefähr 1,3 Prozent auf rund 1,8 Prozent im Jahresvergleich erhöhen könnte. Auch an den Märkten spiegeln sich bereits erste Erwartungen an eine möglicherweise straffere Geldpolitik wider.“