Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat vier Informationsdienstleister identifiziert, die aus ihrer Sicht besonders gut gegen mögliche Umbrüche durch Künstliche Intelligenz geschützt sind. Im Mittelpunkt stehen Unternehmen mit proprietären Datenmodellen und hohen Wechselkosten für Kunden, die angesichts wachsender Sorgen über KI-Auswirkungen auf die Branche als besonders widerstandsfähig gelten.
Die Analyse konzentriert sich auf Firmen, deren Geschäftsmodelle durch regulatorische Schutzmechanismen, beitragsbasierte Datennetzwerke und etablierte Marktpositionen geprägt sind. Diese Faktoren schaffen nach Einschätzung der Bank hohe Markteintrittsbarrieren für mögliche KI-basierte Wettbewerber.
Morgan Stanley nennt vier Aktien mit der Einstufung „Overweight“, die in dem Sektor besonders gut gegen KI-Risiken aufgestellt seien.
S&P Global Inc
Morgan Stanley sieht die KI-Risiken im Portfolio von S&P Global weitgehend begrenzt. Die Geschäftsbereiche Indizes und Ratings gelten als besonders robust gegenüber möglichen KI-Bedrohungen. Im Segment Market Intelligence erscheint vor allem Credit & Risk Solutions weitgehend geschützt, während Cap IQ aufgrund seiner Abhängigkeit von Terminaldaten Dritter als am anfälligsten gilt. Andere Bereiche wie Carfax im Mobility-Geschäft, Advisory, Upstream Data sowie Teile von Commodity Insights weisen unterschiedliche Grade an Schutz auf. Im optimistischen Szenario der Bank steht das weitgehend KI-resistente Produktangebot des Unternehmens im Mittelpunkt, insbesondere die zentralen Geschäftsbereiche Indizes und Ratings.
MSCI
Morgan Stanley sieht für das Kerngeschäft mit Indizes bei MSCI nur begrenzte Risiken durch KI. Als Schutzfaktoren nennt die Bank hohe Wechselkosten für Kunden, die Bedeutung der Marke sowie methodische Vorteile. Die Bank weist darauf hin, dass die technische Nachbildung großer Indizes wie des S&P 500 schon immer möglich gewesen sei und jüngste Fortschritte bei KI die Wettbewerbssituation daher grundsätzlich nicht verändern. Risiken bestehen laut Analyse teilweise in den Bereichen ESG, Klima und Private Assets. Diese Segmente gelten jedoch als weniger wachstumsstark und sind nach Einschätzung der Bank nicht entscheidend für die Entwicklung der Aktie.
MSCI legte zuletzt Quartalszahlen vor, die bei Gewinn und Umsatz über den Erwartungen der Analysten lagen. Zudem kündigte das Unternehmen die Übernahme von Compass Financial Technologies an, um seine Fähigkeiten bei der Berechnung von Indizes auszubauen.
TransUnion
TransUnion profitiert laut Morgan Stanley von einem beitragsbasierten Geschäftsmodell in einer stark regulierten Branche. Das Unternehmen verfügt über umfangreiche proprietäre Kreditdaten aus einem solchen Datennetzwerk sowie über einen großen alternativen Datenbestand, der wichtige Einblicke in das Verhalten von Verbrauchern liefert. Die kreditbezogenen Daten stammen direkt von Kreditgebern und werden von diesen an die Auskunfteien gemeldet. Dieses Modell schafft nach Einschätzung der Bank einen erheblichen Wettbewerbsvorteil und begrenzt mögliche Störungen durch KI.
Zuletzt schloss TransUnion den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der mexikanischen Verbraucherkreditauskunftei Trans Union de México ab. Außerdem veranstaltete das Unternehmen einen Investorentag, auf dem mittelfristige Finanzziele vorgestellt wurden, darunter ein organisches Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich.
Equifax Inc
Auch Equifax verfügt laut Morgan Stanley über starke Schutzmechanismen gegen mögliche KI-Disruptionen. Neben proprietären kreditbezogenen Daten aus seinem beitragsbasierten Netzwerk betreibt das Unternehmen mit „The Work Number“ die einzige Datenbank dieser Art im großen Maßstab für Einkommens- und Beschäftigungsinformationen. Sie enthält Datensätze zu 105 Millionen einzelnen Personen und 209 Millionen aktive Einträge. Die Daten stammen direkt von Arbeitgebern und Lohnabrechnungsdienstleistern, häufig auf Basis exklusiver Vereinbarungen. Die kreditbezogenen Daten aus dem beitragsbasierten System unterliegen zudem strengen regulatorischen Vorgaben.
Zuletzt ernannte Equifax David Smith zum neuen Präsidenten seiner US-Sparte Information Solutions.